PRESSEBERICHTE ÜBER ELEPHANT SPECIAL TOURS

„Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde? Von wegen.“

Martina Miethig

DIE WELT

„Försters Konzept, Tourismus mit Tierschutz zu verbinden, funktioniert hervorragend.“

Thilo Thielke

SPIEGEL ONLINE

„Vertrauen fassen. Einfach machen. Und sich danach schön leicht fühlen.“

Ralph Geisenhanslüke

DIE ZEIT

Alle bisher erschienen Presseartikel über Elephant Special Tours sind nach Jahr des Erscheinungsdatums aufgeteilt hier zu finden. Die Bandbreite der erschienen Berichte ist groß: Von Printmedien wie SPIEGEL ONLINE (2009), FÜR SIE (2008) oder DIE ZEIT (2011) über Fernsehberichte wie vom MDR (2006) oder SAT.1 (2013) über Blogs wie ALLES ZEICHNEN (2014) oder fernweh-aktuell.com (2012) bis hin zu offiziellen Regierungsberichten wie bei der Verkündung der Preisverleihung an Bodo (2016) sind unterschiedliche Medien vertreten.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Stöbern.

2016

Inaugural Discover Amazing Stories Award presented at ITB 2016

Awarded by Her Royal Highness Princess Ubol Ratana at the International Tourism Borse (ITB 2016)

Two German individuals and one major German tour operator with close cultural ties to Thailand were conferred the inaugural “Discover Amazing Stories Awards” by Her Royal Highness Princess Ubol Ratana at the International Tourism Borse (ITB 2016), the world’s largest travel show held in Berlin.
The two individuals include one German chef who specialises in Thai cuisine and another German with a passion for studying Thai elephants. The tour operator is Meier’s Weltreisen, one of the country’s best known companies.
The Tourism Authority of Thailand (TAT) has launched these “Discover Amazing Stories Awards” to honour companies and individuals in the German tourism industry for their years of steadfast support in promoting Thailand and Thai culture/heritage. The Awards also mark the “Discover Thainess Year” and the campaign to promote Thailand as a “Quality Leisure Tourism Destination.”
Mr. Yuthasak Supasorn, TAT Governor, said “These awards are in line with our shift towards more story-telling about all things Thai. It is also our way of showing our deep appreciation to all those who have supported Thailand and its tourism industry.”[…]

Elephant Special Tours – Mr. Bodo Jens Förster with award

Elephant Special Tours – Mr. Bodo Jens Förster
The elephant is surely the animal, which people mostly associate with Thailand. Elephants have always belonged to Thai culture and can be considered as a heritage of Thai history.

Elephants have always been part of the Thai identity and story. No other Westerner has better understood this connection between elephant and Thai culture and the needs of Thai elephants than Mr. Bodo Jens Förster from Elephant Special Tours. He had made it his personal mission to make this cultural link understandable to the Western world and to create a nature conformed environment for his elephants in his camp, where tourists can visit them and learn more about the Elephant Story of Thailand.
Some even call him “Elefantenflüsterer” – a true ambassador of Thai elephants.[…]

Bodo Förster: Ja zum Elefanten im Tourismus - FASZINATION FERNOST

zum Originalartikel

Interview, Teil 1: Eine emotionale Debatte

Einmal auf einem Elefanten reiten, davon träumen viele Thailand-Urlauber. Doch sie sind zunehmend verunsichert. „Meidet die Camps, die Elefantenreiten anbieten!“, fordern Tierschützer und Tierfreunde. Der Trip auf dem Rücken eines Elefanten ist umstrittener denn je. Und jede Meldung über einen Elefanten, der im touristischen Einsatz stirbt oder plötzlich „durchdreht“, Touristen verletzt oder gar tötet, intensiviert eine eh` schon emotionale Debatte.
Renommierte internationale Reiseunternehmen haben Elefantencamps aus ihren Programmen gestrichen, wenn sie bestimmte Standards nicht erfüllen. TUI verkündete gar, komplett auf Programme mit Elefanten zu verzichten. Und dennoch hat sich die Zahl der Elefantencamps im Norden Thailands fast verdreifacht, dank der ständig steigenden Zahl an chinesischen Touristen.
„Schau dem Elefanten in die Augen – den Augenblick wirst Du nicht vergessen“, sagte Bodo Jens Förster, als ich in seinem Camp zum dreitägigen „Education Trip“ antrat. Seither verfolge ich das Wirken dieses Mannes und die ständig hitziger werdende Diskussion um den Einsatz von Elefanten im Tourismus.
Mehr als 20 Jahre ist der Thüringer Förster in Thailand aktiv. Das Unternehmen Elephant Special Tours betreibt nahe Chiang Mai zwei Camps, die separate Stiftung Tong Bai eins. Förster gilt als einer der besten Elefantentrainer der Welt.
„Doch der beste Trainer des Elefanten ist nicht der Mensch“, sagt er selbst, „es ist der Elefant.“
Nach schwierigen Anfangsjahren geht es Förster und dem Unternehmen heute gut, trotz wachsender Konkurrenz in einer beinharten Branche. Das hat auch mit seiner Reputation zu tun. Auf der ITB in Berlin wurde der 52-Jährige im März 2016 von Thailands Prinzessin Ubol Ratana mit dem „Discover Amazing Stories Award“ ausgezeichnet.
“Kein anderer Mensch aus dem Westen”, so die Prinzessin, „hat die Verbindung zwischen Elefant und thailändischer Kultur und die Bedürfnisse der Elefanten besser verstanden als Bodo Jens Förster von Elephant Special Tours.”
Eine Auszeichnung, die Försters Kampf um den asiatischen Elefanten adelt. Doch deren Lage ist so prekär wie eh und je. Ihre Zahl sinkt kontinuierlich. Der Zucht in Thailand fehlen Organisation und Struktur. Die Tiere müssen immer mehr arbeiten. Tierschützer und Reiseveranstalter verschärfen eine Debatte, die nach Lösungen ruft.
Faszination Fernost: Herr Förster, die Menschen mögen Elefanten, sind ihnen emotional verbunden. Der afrikanische Tierschützer Ivan Carter aber sagt: Im Tierschutz ist nicht Emotion ist gefragt, sondern Pragmatismus. Stimmen Sie dem zu?

Bodo Jens Förster: Emotionen machen uns als Menschen aus, und als Elefantenschützer leben wir davon. Wären wir Schlangenschützer, bekämen wir nicht diese Unterstützung. Richtig ist: Die Debatte kann emotional sein, die Lösungen müssen pragmatisch sein. Es gibt Tierschützer, die sehen nur das Tier und seine Bedürfnisse. Aber so funktioniert die Welt ja nicht, da sind ja immer auch Menschen betroffen.
FF: Was entgegen Sie der Organisation PETA auf ihre Forderung, keine Unternehmen zu unterstützen, die von der Arbeit mit Elefanten profitieren?

Förster: Wissen diese Leute wirklich, wovon sie reden? Sollen wir jetzt 3000 Arbeitselefanten entlassen? Wo sollen die leben und wovon? Wie soll das gehen? Und was ist mit den Menschen, die mit und von den Elefanten leben? Die Touristen sind morgen wieder weg. Aber ich bin noch da, die Mahouts sind noch da, meine Angestellten sind noch da. Und hinter diesen Menschen stehen Familien.

FF: Es geht um Existenzen, das ist schon klar. Aber Sie sagen selbst, der Elefant ist nicht geboren, um dem Menschen zu dienen.

Förster: Das ist mein Credo, richtig. Aber ein Elefant, der in Menschenhand geboren wurde, findet sich in der Wildnis nicht mehr zurecht. Reden wir von der Rettung des asiatischen Elefanten, reden wir auch über zwei Szenarien. Da sind die Arbeitselefanten, und deren Arbeitsbedingungen müssen wir verbessern. Den wild lebenden Elefanten müssen wir geschützten Lebensraum bieten, damit ihre Zahl wieder steigt.

FF: Wie steht es um die Population der wild lebenden Elefanten in Südostasien?

Förster: Kambodscha, Vietnam und Laos sind verloren, das ist nur noch eine Frage der Zeit. Laos nannte sich einst Lane Xang – Land der eine Million Elefanten, heute gibt es noch 800. Ich habe dort mit meinem einheimischen Partner Kor versucht, Projekte auf die Beine zu stellen. Interessiert keinen. Aber einen Versuch starten wir noch.

FF: Wie sieht es in Myanmar aus nach der Öffnung des Landes?

Förster: Dort gibt es derzeit etwa 6000 Arbeitselefanten ohne Arbeit. Die letzten Konzessionen für Holzeinschlag endeten 2015. Jetzt muss man abwarten, was geschieht.

FF: In Thailand?

Förster: Die Zahl der wilden Elefanten steigt. Aus meiner Sicht hat hier die oft kritisierte Nationalpark-Behörde in den letzten zwanzig Jahren keinen schlechten Job gemacht. Thailands Regierung auch nicht, sie verfolgt ein klares Konzept. Knapp 14 Prozent der thailändischen Fläche bestehen aus Nationalparks. Ich glaube nicht, dass Industrieländer wie etwa Deutschland diesen Wert erreichen.

FF: Es gibt also Hoffnung, zumindest in Thailand.

Förster: Ja. Aber wenn die Elefantenpopulation zu stark anwächst, droht das nächste Problem. Dann brauchen die Tiere mehr Raum und brechen aus den Parks aus. Stellen Sie sich vor, ein wilder Elefant stürmt in ein Dorf und tötet einen Menschen. Was sagen dann die Wissenschaftler, was die Tierschützer?

Interview, Teil 2: Das große Fressen kostet

Faszination Fernost: Herr Förster, wo sehen Sie die gravierendsten Veränderungen der letzten zwanzig Jahre in Ihrem Geschäft?

Förster: „Heute gibt es mehr Individualtouren, wie sie auch bei uns angeboten werden. Vor allem aber arbeiten die Elefanten mehr als früher. Morgens die normale Tour, nachmittags die Spezialtour. Das läuft meinem Grundgedanken von damals zuwider: Mit guten Einnahmen dafür Sorge zu tragen, dass die Tiere weniger arbeiten müssen.“

FF: Sind die Elefanten in den Camps heute überlastet?

Förster: „Es gibt immer mehr Camps, immer mehr Tiere werden gebraucht. Die Zahl der asiatischen Elefanten aber sinkt. Also züchten die Besitzer und Camps mehr als vorher. Die Preise für Elefanten sind gestiegen; früher war ein Kalb eine Last, weil die Mutter nicht zur Arbeit eingesetzt werden konnte, heute ist es eine Investition. Wenn die ausgewachsenen Tiere aber immer mehr arbeiten müssen, dann sind sie früher müde. Dann reagieren sie wie Menschen: Sie haben keine Lust, sie sind zu kaputt.“

FF: Kürzere Arbeitszeit bedeutet mehr Lust, und schon haben wir die Lösung?

Förster: Zumindest einen Teil der Lösung. Ja, wir brauchen mehr Ruhepausen für den Elefanten. Keine Sieben-Tage-Woche. Zwei Monate im Jahr muss er Ruhe haben. Auch wenn er dann kein Geld einbringt und nur frisst und kostet. Aber in der aktuellen Situation reicht diese Maßnahme nicht, da wünschen wir uns weitere Änderungen.

FF: Welche?

Förster: Um vernünftig zu züchten, brauchen wir eine landesweite Koordination. Das Elephant Conservation Center in Lampang könnte diese Aufgabe leisten, zusammen mit dem angeschlossenen National Elephant Institute. So lange jeder für sich züchtet, werden die zuchtfähigen Bullen in Thailands Süden verkauft und fallen damit für eine strukturierte Zucht aus. Früher sind die Elefanten aus den Camps in der Trockenzeit in ihre Heimatdörfer gelaufen, wo vier Bullen zum Decken bereit standen. Heute sind diese Bullen nicht mehr da.

FF: Wie realistisch ist Ihr Vorschlag?

Förster: Das werden wir sehen. Erst einmal muss man diesen Ansatz formulieren.

Faszination Fernost: Was schlagen Sie an weiteren Veränderungen vor?

Bodo Jens Förster: Eine Verlagerung der Futtermittelsituation in Thailand. Der erwachsene Elefant frisst nun mal seine 250 Kilogramm Pflanzliches am Tag, in der Natur fast nur Bambus, dazu Holzartiges, Rinde, Wurzeln; im Süden Thailands mehr Elefantengras, Mais, Ananasstrünke – ein Futter, das teilweise voller Fertilizer und Pestizide ist. Ein Tier frisst normalerweise 20 Stunden am Tag. Pflanzen haben weniger Energie, also muss es mehr davon fressen. Für unsere Camps haben wir eine Lösung gefunden. Den Farmern sagen wir: Baut nicht Mais an oder Reis, liefert uns Heu. Sie vertrauen mir, wir geben im Jahr 30 000 Euro allein für Heu aus. Eine Tonne Heu kostet in Deutschland 100 Euro, in Thailand aber umgerechnet 180, weil es weniger Heu gibt. In Nordthailand Gras anzupflanzen ist nicht so einfach. In der Regenzeit wird es nicht trocken, und in der Trockenzeit wächst nichts, da ist es zu heiß. Die anderen Camps scheuen Investitionen, wie wir sie machen.“

FF: Da ist es doch ein Grund zur Freude, dass Ihre Camps bei den Reiseveranstaltern hoch im Kurs stehen und Konkurrenten gestrichen werden.

Förster: Das ist überhaupt keine Lösung des Problems. Ein Elefant muss Geld verdienen, nicht nur in unseren Camps. Nachhaltigkeit geht nur über Finanzierbarkeit. Meine Mahouts sind krankenversichert, das gibt es vielleicht in fünf Prozent der Camps in Thailand. Aber auch die nicht ‚zertifizierten‘ Camps werden weiter existieren, denn die Zahl der chinesischen Besucher wächst immens, und denen sind die Bedingungen für die Elefanten egal, weil sie dafür kein Bewusstsein entwickeln konnten. Eine Sensibilisierung von mehr als einer Milliarde Menschen kann man nicht erwarten.

FF: Warum können sich die Reiseveranstalter mit dieser nüchternen Sicht nicht anfreunden?

Förster: Die Reiseveranstalter wollen durch Festlegen bestimmter Kriterien wirtschaftlichen Druck ausüben, damit die Campbesitzer sich zu diesen Kriterien bekennen. Der Gedanke ist gut, aber nicht praktikabel. Es ist ein Gedanke, der in den Gehirnen von Westlern entstanden ist. Aber von zehn Touristen hier sind nur zwei aus dem Westen, der Rest kommt aus Asien. Zudem könnten die Veranstalter mal überlegen, dass manches Camp mehr in zielführende Maßnahmen investieren würde, wenn die Veranstalterprovision von 22 Prozent für jeden gebrachten Touristen geringer wäre oder ganz entfiele.

FF: Finden Sie es gruselig, wenn Elefanten in Camps für Touristen malen, Fußball oder Instrumente spielen? Die Organisation WAP (World Animal Protection) lehnt Arbeiten mit Elefanten sogar grundsätzlich ab.

Förster: Keine Ahnung, was die für Antworten haben. Grundsätzlich gilt: Elefanten zu beschäftigen ist besser, als sie herumstehen zu lassen, so lange es nicht widersinnig ist. Ich finde manches gruselig. Wenn aber das Geld in ordentliche Behandlung fließt und ordentliches Futter, okay. Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß oder Richtig oder Falsch. Wir brauchen unterschiedliche Konzepte, keiner hat die Wahrheit gepachtet.

FF: Was ist ‚widersinnig‘ für Elefanten?

Förster: „Was sie in ihrem normalen Leben nie tun würden. Ein auf zwei Beinen stehender Elefant ist okay, schließlich deckt er auch auf zwei Beinen. Wenn er auf einem Bein stehen muss, ist das abartig. Der mittlerweile verstorbene Verhaltensbiologe Fred Kurt hat dies mal in einem Interview mit der ‚WELT‘ sehr klar gemacht. Ich habe nicht alle seine Ansichten geteilt, aber diese auf jeden Fall:
Zitat: „Die meisten Trainer haben keine Ahnung, was man Elefanten körperlich zumuten kann. Von einer Kuh mit drei Tonnen Gewicht kann man keinen einarmigen Handstand verlangen. Die Nummer hält sie ein paar Wochen durch. Danach kann sie nur noch im Stehen schlafen, weil sie aus dem Liegen nicht hochkommt. Auch der größte deutsche Zirkus, der Circus Krone, hat das Problem, dass seine Elefanten auf arthritischen Füßen stehen. Wir haben sie immer körperlich überfordert. Das ging los mit den Römern. Die Türme, die sie ihren Kriegselefanten aufgeladen haben, waren viel zu schwer.“ Zitatende

Interview, Teil 3: Ein neues Konzept muss her

FF: Gilt für Reiseveranstalter – und auch Tierschützer – in vielen Fällen: „Gut gemeint ist nicht gut genug“?

Förster: So weit gehe ich nicht. Manchmal aber denken sie ein Thema nicht zu Ende. Die Veranstalter stellen sich hin und verlangen: ‚Wir wollen keine Kettenhaltung mehr für Elefanten!‘ Hallo?! Soll ich meine Viecher vielleicht in den Pausen frei herum laufen lassen? Peta fordert: ‚Keine Elefanten mehr im Zirkus.‘ Allein in Mitteleuropa gibt es 90 Zirkus-Elefanten – was wird aus denen? Ich nehme die Knarre nicht in die Hand! Buddha sagt: Der Weg der Mitte ist der Weg der Weisheit. Das trifft auf unsere Camps am ehesten zu. Radikale Forderungen, radikale Umsetzung schaden eher als zu helfen. Wenn ich den asiatischen Elefanten retten will, kann das nur in Kooperation mit Touristen klappen, die – so wie ich und alle unsere Mitarbeiter – von diesen Giganten fasziniert und darüber hinaus bereit sind, für ein elementares Erlebnis auch Geld ausgeben.“

FF: Was können Sie den Veranstaltern in Deutschland, der Schweiz, Australien etc. an alternativen Maßnahmen bieten?

Förster: „Gründet ein Gremium. Lasst Euch von Fachleuten Zusammenhänge erklären. Wir brauchen Standards und Zertifikate, sie sind sogar sehr wichtig. Aber sie müssen von unabhängigen Experten entwickelt werden. Auf diesen Feldern sehe auch ich mich in den nächsten fünf bis zehn Jahren, nachdem mein Sohn Roger nun die Führung der Camps übernommen hat. Ich habe mir in meinem Segment Anerkennung erarbeitet und eine natürliche fachliche Autorität. Wir haben das Unternehmen ‚Elephant Vision‘ gegründet, eine Denkfabrik, deren Claim lautet: The Vision is the Mission. Wir wollen Konzepte entwickeln für Elefanten und eine Zukunft mit ihnen.“

FF: Ist eine positive Entwicklung überhaupt denkbar?

Förster: Als ich mit meinem Konzept vor 15 Jahren angefangen habe, gab es wie üblich Mahner zuhauf: ‚Das geht so nicht!‘ Erstens saßen die Gäste den Elefanten im Nacken wie Mahouts; zweitens bewegten wir uns in der natürlichen Umgebung der Tiere; drittens begegnete der Mensch dem Tier Auge in Auge, auf Augenhöhe eben. Keiner hat an mich geglaubt. Wir können also Dinge verändern, nur: Gebt uns mehr Zeit! Nach einer Studie von Richard Lair gab es 1981 11.000 Arbeitselefanten in Thailand, heute gibt es noch 3.500 – dazwischen liegt das Verbot von Holzeinschlag in Thailands Wäldern, das die meisten Tiere arbeitslos machte und in den Tourismus trieb. Aber der Tourismus konnte den wirtschaftlichen Kahlschlag nicht kompensieren. Jetzt haben wir wieder wirtschaftlichen Druck und dazu sozialen. Seit etwa 7000 Jahren läuft der Elefant auch in menschlicher Hand, und nun sollen wir in einer Dekade die Grundlagen ändern. Das geht nicht, auch wenn es Gründe gibt für diesen Wunsch.

FF: Was können Sie als Betreiber von Elefantencamps zur Verbesserung der Situation beitragen?

Förster: Die Entscheidung, ob wir Elefanten im Tourismus wollen oder nicht, die fällen nicht die Camps – diese Verantwortung wird nur auf uns abgewälzt. Die Entscheidung fällt auch nicht in Deutschland, den USA oder Australien. Die Entscheidung fällt hier, in Asien. Allein in Chiang Mai sind im Jahr vier Millionen Chinesen zu Gast. Sollten die Chinesen Nein sagen zum Elefanten-Tourismus, stirbt das Tier schneller aus als schon jetzt befürchtet. Aber es stimmt schon: Auch wir als Unternehmer müssen uns zusammensetzen. Wir brauchen ein neues Konzept der Zusammenarbeit, auch als Wettbewerber. Ich verstehe auch nicht, warum manche Camp-Betreiber nur wenig Steuern zahlen und unser Unternehmen 30 Prozent. Vor allem aber ist wichtig, dass wir der Öffentlichkeit und auch unseren Gegnern verständlich machen, dass es uns nicht darum geht, den Elefanten zu bezwingen, sondern mit ihm zu kooperieren. Selbst auf die Gefahr hin, dass der Menschen auch mal verliert oder sein Leben riskiert.

2015

Ruhe hinter dem Rüssel - MANNHEIMER MORGEN
zum Originalartikel, Mannheimer Morgen, 31.01.2015

von Adrienne Friedlaender

Ein Elefantenabenteuer in Thailand: Zwei Wochen lang auf dem Rücken der Rüsseltiere reiten, arbeiten, waschen und baden.

Vorsichtig ertastet meine Hand das borstige Gesicht der Elefantendame. Wandert über die Augen mit den langen drahtigen Wimpern über die Wangen zu einer tiefen Hautfalte am Hals. Die dicke ledernde Haut fühlt sich hart und trocken an. „Ich komme aus Deutschland“, beginne ich zögernd. „Dort gibt es keine Reisfelder, kein Dschungel und Bananenbäume.“ Nicht gerade originell, aber schließlich spreche ich nicht täglich mit Elefanten. Als erste Übung auf dem Programm im Elefantencamp steht eine Konversation, damit die Elefanten sich an die Stimme ihres Gast-Mahouts gewöhnen. Die 27-jährige Mae Kamnoi zeigt sich höflich interessiert, wackelt mit ihren Ohren, die am Rande zartrosa und schwarz gesprenkelt sind. Sie tastet mit dem Rüssel nach meiner Hand. Im Norden Thailands am Rand des Doi Inthanon National Parks, etwa 60 Kilometer von Chiang Mai, liegt Mae Sapok. Das Dorf ist Wahlheimat von Bodo Förster, dem Elefantenmann aus Deutschland. Seit zehn Jahren bietet der ehemalige Elefantenwärter aus Thüringen im natürlichen Lebensraum der grauen Riesen Elefantenbegegnungen besonderer Art. Statt kurzen geführten Runden auf gepolsterten Sätteln können abenteuerlustige Dickhäuter-Fans mit ihren Lieblingen in den Bergwäldern leben. Waschen und baden, reiten, arbeiten und Dschungelritte stehen auf dem Programm. Das reicht vom Schnupperkurs über den Sieben-Tage-Trip bis zum Elefanten-Führerschein, einem 13-tägigen Abenteuer. In Jogginghose, T-Shirt und mit zauseligen Haaren steht Förster am Frühstückstisch und gibt der Gruppe die letzten Anweisungen vor dem Aufbruch: „Elefanten haben hoch empfindliche Nasen. Deo, Haarspray oder Parfüm sind verboten.“ Dann verteilt er die Ausrüstung: eine Mahout-Hose, weit wie ein Sack, die um die Hüfte gewickelt wird, und Stulpen, die die Schienenbeine beim Reiten vor der Lederhaut schützt.

Bambus im Busch

Wir schnallen unsere Rucksäcke mit Trinkflaschen, Insektenspray und Sonnencreme auf den Rücken. Das Rauschen eines Wasserfalls begleitet die letzten Meter über einen steilen, glitschigen Weg hinunter zum Fluss. Ein Baumstamm mit einem wackligen Bambusgeländer dient als Brücke über die Stromschnellen. Tapfer hangeln wir uns hinüber. Wir sind am Ziel. Es besteht aus drei Bambushütten mit Blätterdach: ein Küchenhaus, ein Schlafhaus für die Mahouts und ein überdachter Essplatz für die Gäste. Und da sind sie: die Elefanten. Lange Eisenketten verbinden jeweils einen Elefantenfuß mit dem kräftigsten Baum in der Nähe. Ein mächtiger Bulle schubbert sein gewaltiges Hinterteil an einem Felsen, ein anderer zupft geschickt ein paar Blätter vom Baum, ein Elefanten-Teenager steht verträumt auf einem Stein am Wasser und lutscht versonnen auf seinem Rüssel. Nach dem Elefanten-Small-Talk fordert Förster uns auf, uns in einer Reihe in den Sand zu setzen. Dann kommen die Mahouts mit den Elefanten. Dichter und dichter und dichter. Nur eine Handbreit von meiner Fußspitze entfernt stoppt Mae Kamnoi. Mein Körper ist angespannt. Was passiert, wenn Mae Kamnoi sich entschließt, einen Schritt weiter zu gehen? Die mächtigen grauen Körper verdecken den Himmel, und die Rüssel der Elefanten erwachen zum Leben, tasten, riechen, erfühlen die fremden Menschen am Boden. Wir dürfen aufsteigen. „Chelo, Chelo di“, ruft Mahout Sompet. Brav geht Mae Kamnoi in die Knie und neigt ihren Kopf. Beherzt greife ich nach dem Halsriemen und springe mit Schwung kopfüber in den Nacken. Sofort richtet Mae Kamnoi sich auf und befördert mich drei Meter in die Höhe. Dann heißt es: umdrehen und die Knie hinter die Ohren klemmen. „Wir arbeiten mit dem größten Landsäugetier der Erde. Das erfordert ein gesundes Durchsetzungsvermögen. Stellt also klar, wer der Chef ist!“, hatte Förster am Morgen erklärt. Dazu braucht man eine kräftige Stimme und vier Befehle: „Chelo“ zum Auf- und Absitzen, „Hh“ ist das verbale Gaspedal, „Kwe“ bedeutet links oder rechts und „Hau“ heißt anhalten. Zur Unterstützung bekommen wir einen Stock, um den Elefanten in die gewünschte Richtung zu lenken. Elefanten fressen pro Tag bis zu 200 Kilo Bambus, Blätter und Baumstämme. Da ist für Fresspausen wenig Zeit – auch nicht während des Rittes. Zwei Schritt gehen, anhalten, fressen, weiter. Mae Kamnoi greift Bambus- und Baumstämme, knickt sie mit einem Rüsselschwung und stopft sie ins Maul. Mein Adrenalinspiegel schießt in die Höhe, als wir uns einem steilen Pfad nähern. Aber geschickt manövriert Mae Kamnoi ihre zwei Tonnen durch den Matsch, ertastet mit dem Rüssel den Boden, bevor sie vorsichtig ihre tellergroßen Füße platziert. Mehrmals rutschen ihr die Beine weg, aber immer hält sie die Balance. Im Schneckentempo schaukeln wir durch den Wald. Elefantenreiten ist Entschleunigung für Fortgeschrittene und absolut nichts für Hektiker. So sehr ich auch „Hh, hh“ rufe – meine Dickhäuterin denkt gar nicht daran, ihre Schritte zu beschleunigen. In der Ruhe liegt die Kraft – das Sprichwort muss auf dem Elefantenrücken entstanden sein.

Gemeinsames Bad

Nach einer Stunde erreichen wir das Camp. Jetzt heißt es: Badezeit im Bergsee. Sompet springt hinter mir auf Mae Kamnoi und dirigiert die Elefantenkuh in den Fluss. „Melo, Melo“. Genüsslich lässt Mae Kamnoi sich ins Wasser fallen. Gemeinsam gehen wir auf Tauchstation. Ich liege wasche Mae Kamnois Rücken, Kopf und Ohren. Wickelhose und T-Shirt kleben am Körper. Klitschnass und vergnügt sitzen wir am Bambustisch unterm Blätterdach. Die Elefanten fressen schon wieder – einen Berg Heu. Baden und waschen, reiten und arbeiten – in 13 Tagen wird der Tagesablauf zur Routine, und der Umgang mit den Elefanten vertraut. Bis es nach zwei Wochen Zeit ist, Abschied zu nehmen. Ein letzter Ritt durch den Dschungel, ein letztes Bad im Gebirgssee. Ich streichle über Mae Kamnois trockenes Gesicht, greife in ihre Hautfalte am Hals. „Dankschön“, flüstere ich in ihr ausgefranstes Ohr. Dann balancieren wir über die Holzbrücke zurück in unser altes Leben. Die Mahouts springen auf die Rücken der Elefanten, um sie nach den Tagen mit den Gästen zurück in die Wildnis zu bringen. Schon bald hat der Dschungel die grauen Riesen verschluckt.

2014

Bodo Förster's Elephant Special tours and the associated Tong-Bai foundation do make a difference. - BLOG: Alles zeichnen
zum Originalbeitrag, Blog: Alles Zeichnen, 26.08.2014 Excerpt: „Different than in other camps the elephants of E.S.T. only work every second day, the camp is lying within deep forests where the elephants rest at night and during their days off. On the „working day“ the guests of the camp are going in for a ride through the forests, accompanied by the Mahouts who stay with their elephants throughout the whole year. The Tong Bai foundation is supporting E.S.T.’s efforts to breed the asian elephant and to provide a near to nature management for the elephants by helping to bridge financial and logistical challenges for the elephant-owners (most of them are Karen). Thus two difficult lifespans of the elephant can be bridged that otherwise make it difficult for their owners: firstly the long pregnancy and childhood of elephants and secondly sickness and old age. The mountaneous region at the foot of Thailands highest mountain Doi Inthanon is pervaded by deep valleys with dense forests. Here do the Karen live, a so called „hill tribe“ which has been an elephant people for centuries. Close to the Karen village Mae Sapok lie the two camps of E.S.T. and the area of the Tong-Bai foundation.“

2013

Sanfter Tourismus zum Schutze der Dickhäuter - DER FARANG
zum Originalartikel, DER FARANG 12.07.2013

In „Bodos Elefantencamp“ die grauen Riesen hautnah erleben

Motorradfahren war gestern, Autofahren zu gewöhnlich. Zwischen dichtem Bambus und blühenden Urwaldriesen im Dschungel des hohen Nordens erhalten Urlauber die einzigartige Möglichkeit, die Führerscheinprüfung für das Manövrieren eines asiatischen 5-Tonners zu absolvieren. Doch nicht etwa für einen Hino-Lastkraftwagen oder Mitsubishi-Schaufelbagger, sondern für einen ausgewachsenen Elefanten. Der Deutsche Bodo Förster initiierte ein beispielloses Projekt, das darauf abzielt, Tourismus und Elefantenschutz auf vernünftige und liebevolle Art und Weise zu kombinieren.

Elefantencamps gibt es in Thailand wie Sand am Meer. Oftmals einem skurrilen Disneyland ähnelnd, wird Dumbo dazu genötigt Fußball zu spielen, Dartpfeile zu werfen oder peinlich geschminkt mit einem Tutu bekleidet, die johlende Touristenmasse mit Tanzaufführungen zu unterhalten. Die drei Camps von Elephant Special Tours des Deutschen Bodo Förster, am Rande des Doi-Inthanon-Nationalparks, 60 Kilometer südwestlich von Chiang Mai gelegen, sind anders. Hier kommt zuerst der Elefant und dann der Mensch.

„Huuu, huuu…!“ („Vorwärts!“) schallt es durch den dichten Dschungel. Gemächlich und aufgrund ihrer Größe majestätisch wirkend, stapft eine Gruppe Elefanten durch den Wald. Doch irgendetwas erscheint ungewöhnlich an der dargebotenen Szenerie. Denn auf den Köpfen der grauen Riesen sitzen nicht etwa die Elefantenführer, in Thailand „Mahout“ genannt, sondern deutschsprachige Urlauber, die auf den ersten Blick so gar nicht in das thailändisch-burmesische Grenzgebiet zu passen scheinen. Doch was haben ein Schweizer Stadtrichter, eine Tierärztin, eine deutsche Erzieherin, eine Hotelkauffrau und ein Journalist aus Pattaya-City gemeinsam? Ganz einfach: Sie alle absolvieren einen zweiwöchigen Kurs mit dem Abschlussziel „Elefantenführerschein“ oder wollen in kürzerer Zeit Einblick in das Handwerk eines Mahouts bekommen.

Was erzählt man beim ersten Date?

Am Anfang der Ausbildung steht das Kennenlernen mit den Elefanten. Eine Mutprobe, die es in sich hat. Die noch etwas aufgeregt gestimmten Teilnehmer setzen sich auf den lehmigen Boden, die Dickhäuter werden losgebunden und bilden eng aneinandergerückt einen Kreis um die Urlauber. Zwischen den mächtigen Füßen der Drei- bis Fünftonner sitzend, werden die Touristen von den Rüsseltieren beschnüffelt und abgetastet. Eine Begegnung, die dazu dient, Vertrauen zwischen Mensch und Tier zu schaffen. Natalie Pla, am heutigen Tag die deutsche Betreuerin der Gäste, beobachtet die Gruppe und weiß binnen weniger Minuten genau, welcher Elefant zu welchem Teilnehmer passt. Knapp zehn Minuten später steht der Autor dieser Zeilen Mae Geo II, mit 55 Jahren eine Elefantenkuh fortgeschrittenen Alters gegenüber. „Erzähl ihr was“, empfiehlt Natalie. So erfährt die betagte Dame beim ersten Date so einiges über die Touristenmetropole am Golf von Thailand, die Vor- und Nachteile des Reporterjobs und die ärgerlichen Flugverspätungen der Bangkok Airways. Dann beginnt die erste Fahr- oder besser gesagt Reitstunde. Mae Geo II senkt ihren Kopf, und mit einem gekonnten Bocksprung (hoch lebe der schulische Sportunterricht!), hechtet man auf das borstig behaarte Haupt des Elefanten. Zweimal drehen, und schon sitzt man reisefertig auf dem Dickhäuter. Nun finden auch die im vorherigen Theorieunterricht erlernten Befehle erste Anwendung: „Hu“ bedeutet „Vorwärts“, „hau“ heißt „stopp“, und mit einem kräftigen „kwae“ lenkt man das Großkaliber. Der erste Tag auf dem Elefantenrücken endet nach einer abenteuerlichen Dschungeltour mit einem gemeinsamen Bad im campeigenen Fluss samt Wasserfall, wo die Elefantenkuh von Schlamm und Dreck befreit wird. Denn Mae Geo II liebt es, sich mit Schlamm und kleinen Steinchen zu bepudern und dabei natürlich auch dem Reiter zu einer neuen Farbe zu verhelfen. Spätestens hier wird allen Teilnehmern unmissverständlich bewusst, dass Elefanten für ihr Leben gerne baden. „Melo!“, „runter!“, lautet der nächste Befehl, und meine neue, liebgewonnene Bekanntschaft taucht einem U-Boot ähnelnd ab ins kühle Nass.

Ein geländegängiger Dickkopf

Am zweiten Tag geht’s auf Trekkingtour. Doch bevor es losgeht, holen die Kursteilnehmer „ihre“ Elefanten aus der Schlafstätte im Dschungel ab und zeigen sich beeindruckt über die Geländegängigkeit der tonnenschweren Tiere auf einem alten Pfad der Karen zurück ins Camp, auf dem früher Opium geschmuggelt wurde. Äußerst behutsam und doch bestimmt klettern die grauen Riesen die steilen Bergpisten rauf und runter. „Kwae, kwae“, brüllt der Journalist sich heiser, doch Mae Geo II scheint sich heute mehr für das Fressen anstatt für die Befehle des winzigen Mahouts in spe zu interessieren und steckt ihren Dickkopf trotzig ins Gebüsch. Doch Mahout sein bedeutet nicht nur Spaß, sondern auch harte Arbeit. So führt am dritten Tag der erste Weg hinauf aufs Feld, um mit einer Machete bewaffnet frisches Elefantengras zu schlagen. Schließlich ist der Hunger der Dickhäuter enorm. Bis zu 300 Kilogramm Nahrung kann ein ausgewachsener Elefant pro Tag vertilgen. Auch ein paar junge Palmen werden geschlagen. „Da sie besonders saftig sind und süß im Geschmack, stellen sie eine beliebte Nascherei an heißen Tagen dar“, erklärt Natalie. Der Schweiß fließt in Strömen, bis das knapp drei Meter lange Grünzeug auf dem geländegängigen Jeep verstaut ist, mit dem die Gäste dann in knapp 30 Minuten über eine abenteuerliche Buckelpiste hinauf ins Elefantencamp auf knapp 900 Metern Höhe transportiert werden. Auf dem Programm steht ein weiteres Highlight oder besser gesagt die Königsdisziplin des Elefantenführens: das Stapeln von Baumstämmen. Dabei probieren je zwei Teilnehmer auf zwei Elefanten Baumstämme zu rollen, um sie dann übereinanderzustapeln. Das ganze klingt natürlich einfacher als es tatsächlich ist, denn die Paare müssen dabei synchron Befehle erteilen und stets beobachten, was der andere tut. Dennoch stapeln nach einer kurzen Trainingsphase alle Urlauber mit ihren Rüsseltieren Baumstämme um die Wette, nach jedem erstellten Stapel ist die Freude groß.

Elefantenphilosoph und Ost-Hippie

Neben den unvergesslichen Begegnungen mit den Elefanten bleiben jedoch auch die beinahe philosophisch anmutenden Gespräche mit Bodo Förster noch lange in bester Erinnerung. Bodo ist ein echter Haudegen, im thüringischen Saalfeld geboren und ein Bär von einem Mann. Der charismatische 50-Jährige besitzt ein ausgesprochen lautes Organ und nimmt kein Blatt vor den Mund. Bereits mit 14 Jahren arbeitete er mit Tieren und absolvierte später die Ausbildung zum Landwirt. „Hätten die Kommunisten sich nicht so angestellt mit mir, wäre ich in dem Beruf sicher alt geworden“, lacht er. Mit 25 Jahren siedelte er nach Ostberlin über und arbeitete in der Futtermühle des Tierparks Friedrichsfelde, wo er seine erste Elefantenbegegnung vollzog. Kurzentschlossen ließ er sich zum Zootierpfleger ausbilden und arbeitete ab 1986 mit dem „Viehzeug“, wie er es liebevoll nennt. Als 1989 in der Nacht zu seinem Geburtstag die Mauer fiel, zwischenzeitlich agierte Bodo bereits als Revierchef für asiatische Elefanten, stand für ihn fest: „In einem Jahr bin ich in Asien.“ Die Entscheidung wurde besonders durch den Erhalt einer Postkarte bestimmt, die er von einem schwedischen Kollegen aus einem Elefantencamp in Nordthailand erhielt.

Mit eben dieser Postkarte in der Hand flog er nach Thailand und reiste zielbestimmt in den Norden, seinem Schicksal entgegen. Bodo erklärt: „Ich kam einzig und allein wegen der Elefanten. Ich wusste weder was Chilis sind noch was es mit den thailändischen Frauen auf sich hat. Ich wollte hierher, um das althergebrachte Handwerk der Mahouts zu erlernen, die seit tausenden Jahren mit Elefanten leben und arbeiten. Die Zeit im Zoo betrachtete ich lediglich als ersten Schritt, denn ich wollte mehr.“ In der königlichen Elefantenaufzuchtstation in Lamphang ließ er sich zum Mahout ausbilden. Auf die Frage, wie die Einheimischen reagierten, als der „große, weiße Mann“ in den Dschungel kam, um mit Elefanten zu arbeiten, obwohl sie ganz genau wussten, dass es in seiner Heimat keine wildlebenden Dickhäuter gibt, erklärt Bodo: „Das ist genau der Unterschied. Ich war nicht der große, weiße Mann, sondern setzte mich hin und hörte den Menschen zu, denn es ist ihr Land. Natürlich musste auch ich Lehrgeld zahlen, doch schließlich gelang es mir, mein Unternehmen aufzubauen. Anfangs haben die Leute viel gelacht, besonders als meine erste Frau weglief, nach der zweiten Frau umso mehr. Tierliebe und Beziehungen sind eben schwer vereinbar. Doch ich bin immer noch hier. Egal wo man ist, ob in einem kleinen Dorf in Thüringen oder hier im ländlichen Nordthailand, die Menschen akzeptieren immer anständige Arbeit. Wenn man sich selbst nicht so wichtig nimmt, sondern sich anständig und mit etwas Liebe seinem Projekt widmet, dann klappt das auch. Elephant Special Tours wurde Step-by-Step aufgebaut, und heutzutage bin ich stolz zu sagen, dass wir das ehrgeizige Ziel verfolgen, Weltmarktführer für Elefantenreisen zu werden.“

Inzwischen befinden sich in Bodos Camp 14 Elefanten inklusive zweier kleiner Kälber und einem größeren Kalb. Die Verantwortung ist groß. Bodo erklärt: „Bei mir bekommt der Begriff Nachhaltigkeit eine ganz neue Bedeutung. Ich habe gerade nicht nur ein Kalb geboren, sondern auch eine 14-jährige Elefantenkuh gekauft, die mindestens noch 50 Jahre lebt. Ich weiß nicht, ob ich 100 Jahre alt werde, doch zumindest laufe ich dann nicht mehr über die Berge. Dafür habe ich die Tong-Bai-Stiftung gegründet, um das vorzubereiten. Nicht nur für die Elefanten, sondern auch für die Einheimischen. Denn es ist nicht mein Lebenswerk, sondern unseres.“ Doch wie gelingt es Bodo, Elefantenschutz und Tourismus harmonisch miteinander zu verbinden? „Ich denke, das ist kein Elefantenschutz, sondern gesunder Menschenverstand. Elephant Special Tours ist ein Projekt für Elefanten, finanziert durch Touristen. Denn nur mit Träumen können wir nicht leben und nur durch Wirtschaften ebenfalls nicht. Natürlich ist das nicht immer einfach, besonders wenn man bedenkt, dass in meinen drei Camps Menschen dreier verschiedener Religionen aus fünf verschiedenen Nationen arbeiten. Doch ich habe jeden immer so genommen, wie er ist, niemand ist perfekt. Oder wie wir Elefantenleute sagen: Wir sterben jeden Tag 1.000 Tode, aber es ist noch lange nicht Abend!“

Elefanten und klassische Musik

Bodo vergleicht seine Faszination für Elefanten gerne mit klassischer Musik: „Musik erzeugt in uns ein bestimmtes Gefühl, und Gefühle sind das einzige auf der Welt, was nicht erkennbar ist. Dabei neigt der Mensch immer nach Erkennbarkeit. Doch wie schon Goethes Faust wusste, eine Erklärbarkeit der Welt gibt es nicht. Wenn man auf einem Elefanten sitzt und diesen spürt, mag man sagen: Es ist mir egal, was da ist, aber es ist einfach geil Ähnlich ist das bei der Musik. Ich kann erklären, warum ich keinen amerikanischen Hip-Hop mag, doch nicht, warum mein Vater bei einem Song der Hardrockband Slayer rief, mach den verdammten Krach aus Kurz: wenn man sich auf den Elefanten richtig einlässt und ihn spürt, dann ist das wie eine Melodie der Natur.“ So philosophisch diese Worte klingen, wenn man Bodo richtig auf die Palme bringen möchte, fragt man ihn nach dem Ausspruch „Elefantenflüsterer“, mit dem ihn eine große deutsche Zeitung verglich. „Den Elefantenflüsterer gibt es nicht Ich habe eine bestimmte Fähigkeit mit Tieren umzugehen, und ich habe auch Menschen kennengelernt, die mit ihnen reden können, doch ich kann das nicht. Siddharta war so ein Mensch, doch bin ich Buddha? Nein. Ich habe Elefanten lange studiert, und selbst die Einheimischen nennen mich Adjan Chang. Das ehrt mich natürlich sehr, dennoch habe ich dafür kein Magister.“

Nachhaltigkeit und soziales Engagement

Elephant Special Tours unterstützt im Landkreis Mae Wang die thailändische Bevölkerung und das Bergvolk der Karen durch die Wirkung gezielter sozialer Projekte. Durch sanften Tourismus und mit Rücksicht auf die Umwelt wird eine Sozialverträglichkeit geschaffen, die den Menschen zugutekommt und ihre Individualität bewahrt. Bodo und sein Team unterstützen in der dünn besiedelten Landregion die Bevölkerung durch ihr Angebot, das auf eine ausgewogene Implementierung touristischer Strukturen in historisch gewachsene Gegebenheiten ausgerichtet ist. Veränderungen, die nur der Gewinnmaximierung dienen, gehen an den Menschen vor Ort oft vorbei und schüren aus gutem Grund Missbilligung. Daher ist ein ständiger Austausch und ein vitales Miteinander im Alltag dieses kleinen Tals für alle Seiten förderlich. Durch den Einkauf aller täglichen Gebrauchs- und Lebensmittel vor Ort, durch die Beteiligung an traditionellen Feierlichkeiten, durch regen Austausch mit den örtlichen Behörden und nicht zuletzt durch die Gewissheit, einer der größten Arbeitgeber der Region zu sein, engagiert sich Elephant Special Tours aktiv in der Entwicklung der Region. So wurde unter anderem im Januar 2012 das erste Haus im Camp gebaut, um den Mahouts die Möglichkeit zu geben, Familie und Beruf zu vereinen. Denn bisher wohnten die jungen Männer unter sich und teilten sich ein Haus. Bedingt durch den Beruf müssen die Elefantenführer immer in unmittelbarer Nähe von ihrem Elefanten leben, um ihn regelmäßig mit Futter und Wasser zu versorgen – ein Hindernis zur Familiengründung und ein gemeinsames Leben mit Frau und Kind.

Urlaub bei Elefanten - SAT.1 Frühstücksfernsehen
zum Originalbeitrag, Sat.1 Frühstücksfernsehen 18.06.2013

Urlaub bei Elefanten

Bodo Förster besitzt ein Elefantencamp für Touristen in Thailand.

2012

Verschaukelt im Camp - fernweh.aktuell.com
zum Originalartikel, fernweh-aktuell.com, 26.11.2012

Mae Sapok – Mit ihren 1,20 Meter ist Joelina die Größte. Auf jeden Fall die Mutigste, wie sie zwischen den Beinen der Dreitonner am Boden sitzt. Fünf Elefantendamen und ein Bulle bilden einen Kreis um die Neuankömmlinge und beschnüffeln sie mit ihren Rüsseln. Dazwischen wuselt der kleine Roger umher. Das Elefantenkind hat ungefähr das Alter von Joelina. Die kleine Schweizerin ist fünf und fürchtet sich höchstens ein winziges bisschen. Am Anfang steht die Mutprobe – für jeden, der das Handwerk der Mahuts erlernen will. Mahuts sind die Führer von Arbeits­elefanten und oft auch ihre Besitzer. Die Mutprobe soll Ängste nehmen und Vertrauen geben. Ohne Vertrauen wird’s kompliziert. Die Großkaliber könnten das Häuflein Menschen mit einem Tritt zermalmen. Tun sie aber nicht, und ihre Gelassenheit überträgt sich schnell auf die Gruppe aus drei Erwachsenen und drei Kindern. Am Ende werden alle sagen, dass jene Minuten das eindrucksvollste Erlebnis dieser Reise waren.

„Nadelbäume würdest du komisch finden.“

In einem Elefantencamp im Norden Thailands, eine gute Autostunde südwestlich der Stadt Chiang Mai, kann man unter den wachsamen Augen der Mahuts lernen, die Dickhäuter zu reiten und mit ihnen Baumstämme zu rücken. Reisfelder, hellgrün in diesen Monaten der Regenzeit, und waldige Hügel bestimmen das Landschaftsbild. Eine ländliche Gegend, in der man sich nicht darauf verlassen kann, dass die Menschen Englisch sprechen. Schon gar nicht das Bergvolk der Karen, zu denen die Mahuts der Elefanten gehören und deren erste Fremdsprache Thai ist. Zum Glück gibt es David: Guide, Trainer und Dolmetscher. Der 27-jährige Deutsche knöpft sich erst einmal die Kinder vor für eine Lektion Elefantenkunde. Vor der Praxis steht wie bei jedem Führerschein die Theorie. David erzählt auch von der langen Tradition der Arbeitselefanten in Asien. Weil die Wälder Thailands fast komplett abgeholzt sind, ist der Holzschlag mittlerweile verboten – zu spät für die rund 2000 noch wild­lebenden Elefanten. Für die etwa 2500 domestizierten bedeutet das den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Doch wohin mit den Elefanten, die 75 Jahre alt werden können? Viele kennen ihre Mahuts, seit diese Krabbelkinder waren. Der Tourismus ist ein Ausweg. Jeder Teilnehmer bekommt seinen eigenen Elefanten zugewiesen für die Tage im Camp. Die nächste Aufgabe ist eine sehr intime: zehn Minuten mit dem neuen Partner plaudern, damit er mit Mensch und Stimme vertraut wird – eine recht einseitige Angelegenheit. Doch was erzählt man einem asia­tischen Elefanten? Die meisten senken unwillkürlich die Stimme, als wollten sie ein Geheimnis anvertrauen. Linus, 12, beschreibt seiner Mae Kledek, wie die Wälder in Deutschland aussehen. „Nadelbäume würdest du komisch finden.“ Die Elefantendame blinzelt gelangweilt. Vorsichtig streichelt er ihren Rüssel. Die dicke, ledrige Haut fühlt sich rissig und rau an. Flapp, flapp, machen die Ohren, die Klimaanlage der Elefanten. Der Mahut sitzt daneben und grinst. Es funktioniert, auch bei Joelina ist das letzte bisschen Angst verschwunden. Dann wird es ernst: aufsitzen. Auf Kommando senken die Tiere ihre Köpfe. Mit einem Bocksprung hechtet man über den Rüssel auf den Schädel des Elefanten, der im gleichen Moment wieder aufsteht. Gleichgewicht halten, umdrehen, nach vorn rutschen, Schienbeine hinter die Ohren klemmen. Wow! Drei Runden im Camp dürfen die Mahuts in spe üben und ihrem Elefanten klarmachen, dass sie nun den Ton angeben. „Hu!“, brüllt es vielstimmig, damit sich die Tiere in Bewegung setzen, mit „Hau!“ bremst man ab, und ein energisches „Guä!“ lenkt sie nach rechts oder links. Die Erwachsenen sollen das allein hinkriegen, hinter den Kindern sitzt ein Mahut. Der erste Spaziergang führt dennoch zu Fuß durch den Fluss. Die Riesen trotten hinterher wie brave Hündchen an der Leine. An einer Badestelle lassen sie sich nass spritzen. Elefanten baden für ihr Leben gern. Übermütig planscht Klein Roger, der seine Mutter Mae Kamnoi überallhin begleitet.

Unglaublich, wie leise Elefanten durch den Wald gehen

Am nächsten Morgen holt die Gruppe ihre neuen Freunde im Wald ab, wo sie die Nacht verbracht haben. Und so sehen sie auch aus: dreckig bis hinter die Ohren. Aufsitzen und in einer Reihe „Hu!“. Die Mahuts intervenieren selten. Auch die Kinder lassen sie erst einmal allein strampeln. „Hu! Guä, guä!“ Linus brüllt sich heiser. Seine Mae Kledek schlägt sich ständig in die Büsche, denkt nur ans Fressen. „Die ist vielleicht ein Dickkopf“, stöhnt er. Unglaublich, wie leise Elefanten durch den Wald gehen. Mit den Rüsseln allerdings machen sie einen Höllenlärm. Reißen Äste von den Bäumen und streifen geschickt die Blätter ab. Stecken überall ihre Nase rein. An einer Wasserstelle erfrischen sich die Dickhäuter – und duschen ihre Reiter gleich mit. Plötzlich stellt Mae Bung Tong sich quer und schaltet auf stur. „Scheiße“, sagt ihr offensichtlich vielsprachiger Mahut. Wie bitte? Ach so, die Dame muss mal. . . „Jetzt geht’s lo-hos“, trällert Joelina. Wieder im Camp, wartet schon das Mittagessen. Einer der Mahuts hat für alle gekocht. Während der ganzen Saison leben die jungen Männer hier als WG, in einer der landes­typischen, mit Teakholzblättern gedeckten einfachen Holzhütten. Elefanten benötigen Unmengen an Nahrung. Die Aufgabe am dritten Tag lautet daher, Elefantengras zu schlagen. Die Erwachsenen können gar nicht so schnell gucken, wie die Kinder mit den Macheten im Feld verschwinden. Bis die drei Meter langen Gräser gebündelt und auf den Transporter geladen sind, fließt eine Menge Schweiß, aber alle Beine sind noch dran. Dem Nachmittagsunterricht steht also nichts im Weg: Baumstämme stapeln, die Königsdisziplin, immer paarweise und synchron. „Mae Kledek ist eine super Hochstaplerin“, schwärmt Linus, wieder versöhnt mit seinem Sparringspartner. Nach drei Tagen Elefantencamp heißt es Abschied nehmen. „Sawadi kap“, sagt Linus. Mae Kledek blinzelt nur. „Altes Pokerface“, flüstert der Zwölfjährige.

Von Dorothee Fauth

Wolfgang Pees hat Führerschein für Elefanten - RHEIN-ZEITUNG
zum Originalartikel, Rhein-Zeitung, 09.09.2012

„Vor 40 Jahren bin ich das erste Mal in Indien auf einem Elefanten geritten. Allerdings saß ich immer hinten auf dem Elefanten in einem Korb.“ Dies sind die Worte von Wolfgang Pees, der im Dezember vergangenen Jahres erfolgreich seinen „Elefanten-Führerschein“ bestanden hat. In den Jahren 1982 und 2009 unternahm er bereits weitere Reisen zu den liebenswerten Riesen.

2011 wurde Wolfgang Pees aufgrund einer Fernsehsendung auf Bodo Förster aufmerksam. Dieser lebt schon seit mehr als 20 Jahren in Thailand und arbeitet dort mit Elefanten. In der Fernsehsendung wurde erwähnt, dass man innerhalb von 14 Tagen den so genannten „Elefanten-Führerschein“ erwerben kann. Daraufhin hat Wolfgang Pees sich umfassend im Internat über das Thema informiert (unter www.elephant-tours.de) und später Kontakt zu Bodo Förster aufgenommen. „Meine Frau hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich ihr von meinem Vorhaben erzählt habe“, sagt Pees lachend. „Meine Söhne und Freunde waren eher der Meinung: Wenn nicht jetzt, wann dann?“.

Als alle Formalitäten wie Impfungen beim Arzt geklärt waren, ging es am 28. November 2011 los ins weit entfernte Mae Sopok, wo Pees die anderen Kursteilnehmer traf. Nach einem Essen und einer Dusche ging es für alle weiter ins Elefanten-Camp. „Die Straße zum Camp war in einem sehr schlechten Zustand“, berichtet er. Am Ort wurden alle Teilnehmer von den Mahouts (Elefantenführer) in Empfang genommen. Mahouts verbringen ihre gesamte Zeit im Camp, nur während der Regenzeit kehren sie in ihre Dörfer und zu ihren Familien zurück.

Der nächste Tag war für alle ein ganz besonderer, denn Förster teilte jedem seinen Elefanten zu. „Wir haben uns alle auf den Boden gesetzt und die Elefanten wurden von den Ketten befreit. Bodo hat jedes Tier beobachtet und konnte so jedem Teilnehmer einen Elefanten zuordnen. Für mich war es faszinierend zu sehen, wie feinfühlig diese riesigen Tiere sich uns gegenüber verhielten.“ Wolfgang Pees wurde die 3,5 Tonnen schwere, 2,30 Meter hohe und circa 55 Jahre alte Mae Kledek zugeordnet. Dann ging es erst richtig los. Die Mahouts brachten allen Teilnehmern die ersten von insgesamt 13 Kommandos bei und zeigten, wie man seinen Elefanten aufsattelt oder badet. Dabei wurde niemand verschont, auch die weiblichen Teilnehmerinnen nicht. Jeder musste sich um sein eigenes Tier kümmern. Jeden Morgen ging es zu Fuß zu den Nachtlagern der Elefanten und von dort zurück ins Camp zu einer weiteren Unterrichtsstunde.

Es gab auch Tage, an denen die Gegend nicht auf den Rücken der Elefanten erkundet wurde. Die Kursteilnehmer besuchten dann stattdessen Märkte und Tempel, aber auch ruhige Orte, an denen fast keine Touristen waren. Das „Thai Elephant Conservation Center“ (TECC) in Lampang war ebenfalls Ausflugsziel. Dabei handelt es sich um ein Elefanten Release-Projekt, das unter anderem von dem königlichen Hof und dem World Wildlife Fund (WWF) unterstützt wird.

Während seines Aufenthalts in Thailand erlebte Wolfgang Pees viele schöne Dinge. Verständlich, dass der Abschied von den Elefanten und den Menschen allen sehr schwer fiel. „Wir haben Bilder und Videos ausgetauscht und stehen weiterhin in Kontakt.“ Die schönste Erinnerung für Wolfgang Pees war jedoch, das zweite Bad mit seiner „Dame“. „Beim ersten Mal hat sie mich abgeworfen, beim zweiten Mal jedoch konnte ich mich halten, obwohl sie alles daran gesetzt hat, mich erneut abzuwerfen.“

Alle Teilnehmer haben den Aufenthalt in Thailand genossen und wollen sich in vier Jahren dort wieder treffen. Anfang September dieses Jahres ist Wolfgang Pees sogar als Überraschungsgast auf dem Geburtstag von einem der Teilnehmer eingeladen.

Von […] Kira Wille

In Thailand heisst «Hüa, hüa!» fast gleich - BLICK
zum Originalartikel, Blick, 09.03.2012

Vom Elefantenrücken und mit dem Roller zeigt sich der Norden in seiner ganzen Vielfalt.

Chiang Mai, die zweitgrösste Stadt Thailands, liegt inmitten der Berge. Sie lockt mit prunkvollen Tempelanlagen, pulsierendem Nachtleben und Shoppingmöglichkeiten. Für mich ist sie Ausgangspunkt für eine Rundfahrt mit dem Töff und einen Elefantenritt.

Ausgerüstet mit Proviant, fahre ich westlich Richtung Pai.

Vorbei an imposanten Reisterrassen reisend, entdecke ich die üppige Vegetation des Nordens. Unzählige Kurven machen die Fahrt zum Erlebnis. In der ehemaligen Hippiehochburg lasse ich den Tag in einer der vielen Bars bei Live-Musik und in Gesellschaft herzlicher Thais ausklingen.

Mein nächstes Ziel ist die Stadt Mae Hong Son an der Grenze zu Burma.

Burmesische Tempel, ein malerischer See und das morgendliche Markttreiben faszinieren. Weiter führt die Reise in den Nationalpark Doi Inthanon mit seinen gewaltigen Wasserfällen und heissen Quellen, in denen man baden kann. Langsam tuckere ich die Strasse zum gleichnamigen Berg hinauf, dem höchsten in Thailand. Innerhalb einer Stunde fallen die Temperaturen um 20 Grad.

Zurück in Chiang Mai, fahre ich per Taxi nach Mae Sapok.

Im Elefantencamp des Deutschen Bodo Förster will ich das Elefantenreiten erlernen. Kamüng, ein stämmiger Elefantenbulle, steht direkt vor mir. Fünfzehn Minuten lang spreche ich mit dem Riesen, so dass sich dieser an meine Stimme gewöhnen und meinen Geruch speichern kann. Mit Befehlsformen lerne ich, Kamüng dazu zu bewegen, sich vor mir zu verneigen, damit ich über seinen Kopf aufsteigen kann. Bewaffnet mit einem Elefantenstab setze ich mich in den Nacken des Dickhäuters. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Nach einem lauten «Hua, hua!»
(«Vorwärts!») und einem kräftigen Schlag auf den Schädel setzt sich der Bulle gemächlich in Bewegung. «Geht doch», denke ich und dirigiere den Elefanten durch Fluss und Dschungel.

Ganz so einfach lässt Kamüng sich doch nicht steuern. Statt zu gehorchen, nascht er lieber Bambus, 200 Kilogramm am Tag. Mit «Kwe, kwe» («Zurück!») ermuntere ich den Dickhäuter immer wieder zum Weitertrotten. Manchmal hilft alles Brüllen, Lenken, Stupsen und Zurückweisen nichts – Elefanten lassen sich kaum stressen.

2011

Sprich mit ihm! - DIE ZEIT
zum Originalartikel, Die Zeit, 18.03.2011

Einen Elefanten reitet man nicht einfach so. Um es zu lernen, muss man sein Vertrauen gewinnen. Drei Tage mit einem großen Freund im nordthailändischen Dschungel-Camp.

 

Ist das wirklich Haut? Oder trockenes Leder? Rau, dick, mit schwarzen Borsten darauf. Muss Haut sein. Ich stehe vor einem Exemplar des größten Landsäugetiers der Erde. Und streichle seine Flanke.

Geh zu deinem Elefanten, hatte Bodo gesagt. Sprich mit ihm. Und denk nicht mal dran, seinen Namen falsch auszusprechen: Er heißt Phu Sii. Nicht Pussy. Phu Sii bedeutet auf Thailändisch: Sii, der Bulle. Schon aus 50 Meter Entfernung ist jede Verwechslung ausgeschlossen. Phu Sii, 3,20 Meter Schulterhöhe, fünf Tonnen schwer. Mir ist etwas mulmig.

Was erzählt man einem Elefanten bei der ersten Begegnung? Ich schraube meine Stimme eine halbe Oktave tiefer, schon um mich zu beruhigen. »Hallo, Phu Sii, ich komme aus einer anderen Welt, wo man Dinge mit Elektrizität macht und in geschlossenen Kisten lebt. Ich will dich respektieren und gut zu dir sein.« Phu Sii lässt keine Regung erkennen, wackelt nicht mal mit dem Rüssel.

Wir stehen uns gegenüber im nordthailändischen Bergland, 60 Kilometer südwestlich von Chiang Mai. Eine halbe Stunde lang hat Bodo am Morgen seinen Jeep über buckelige, von der Regenzeit ausgewaschene Pisten den Berg hinaufgequält. Das Camp liegt mitten im Dschungel am Rande des Doi-Inthanon-Nationalparks. Obwohl das Klima hier, auf 1000 Meter Höhe, mild ist, rinnt mir der Schweiß herunter. Die Stechfliegen tun, was sie tun müssen. Auf Deo und Insektenspray habe ich verzichtet. Damit Phu Sii meinen Geruch in seinem riesigen Gehirn abspeichern kann. Fünfeinhalb Kilo Hirnmasse, die Stirnlappen komplexer gefaltet als beim Menschen. 200 Personen kann ein Elefant unterscheiden. Und die 150.000 Muskeln in seinem Rüssel so präzise und sensibel steuern, dass er damit malen kann. Oder Baumstämme heben.

Eine Begegnung auf Augenhöhe, hat Bodo gesagt. Und in genau diesen Augen zuckt es jetzt. Die große, braun-golden gesprenkelte Iris unter dem Gestrüpp der Wimpern zieht sich zusammen. Phu Sii fokussiert mich. Ich versuche, meine fahrigen Hände unter Kontrolle zu bringen. Betaste seine Ohren. Mein Gegenüber ist vierzig, also etwa in meinem Alter. Aus seinen Schläfendrüsen läuft ein dickflüssiges Sekret. Er ist, das habe ich mir vorher angelesen, in der Musth. Das bedeutet: Dieser Bulle ist bis unter die Schädeldecke voll mit Testosteron. Er will eine Kuh. Könnte sein, dass er etwas reizbar ist. Kann man verstehen. Ich rede weiter. Irgendwas. Könnte auch das Berliner Telefonbuch aufsagen. Es geht nur um Melodie und Tonlage.

Dass ich mich überhaupt so nah an Phu Sii heranwage, hat zwei Gründe: Da ist Bodo Förster, der seit 25 Jahren Umgang mit Elefanten pflegt. Und da ist Mek, der junge, drahtige Mahut, der Elefantenführer. 18 Jahre alt, immer ein Strahlen im Gesicht. Er spricht kein Thai und auch kein Englisch. Er gehört zu den Karen, einem Bergvolk, das im Grenzgebiet zu Birma lebt. Ich möchte ein wenig von dem lernen, was Mek schon seit Kindesbeinen tut.

Es beginnt mit einer vertrauensbildenden Maßnahme. Wir vier Teilnehmer des »education trip« sitzen mit Bodo auf dem Boden. Das Camp liegt in einer kleinen Talsenke. Früher wurde hier Teakholz geschlagen. Doch jetzt sehen wir keine Bäume mehr, sondern nur noch Rüssel und Beine. Die Herde ist zusammengekommen und steht Bauch an Bauch und Bein an Bein um uns, über uns. Nein, wir müssen keine Angst haben, sagt Bodo. Und zieht an seiner Zigarette. Elefanten mögen Tabakrauch. Eines der Kälber tollt zwischen den Beinen der Kühe herum. Die Herde wird unruhig. Trotzdem wird niemandem auf die Füße getreten. Nach ein paar Minuten atmen wir wieder normal. Die Vorstellung, jetzt gleich auf einen Elefanten zu steigen, erscheint überhaupt nicht mehr abwegig. Das ist ein Moment nach Bodos Geschmack. An eine Grenze gehen. Die Angst überwinden. Vertrauen fassen. Einfach machen. Und sich danach schön leicht fühlen.

Zehn Minuten später fühle ich mich noch leichter. Ich sitze zum ersten Mal oben. »Che-Lo«, hatte Mek gerufen, Phu Sii den Kopf zum Boden geneigt. Ich sprang, wie man einen Bocksprung macht, auf seinen Kopf. Phu Sii erhob sich. Und ich musste mich einmal um 180 Grad drehen. Schöne Aussicht, wie im Oberdeck eines Doppeldeckerbusses. Ich sitze auf Phu Siis Nacken, meine Füße hinter seinen Ohren, wo die Haut überraschend rosig und weich ist. Halt geben mir allein die Muskeln an den Innenseiten meiner Oberschenkel, die ich im langsam wiegenden Rhythmus seiner Schritte zusammenziehe, wobei ich das Becken vor und zurück wiege. Der Elefant gibt die Geschwindigkeit vor, sagt Bodo. Man muss sich auf ihn einlassen. Erst dann kann man ihn im Ansatz verstehen. Begib dich in die Langsamkeit des Tiers.

»Huuuuu!«, rufe ich bald, »vorwärts!«. Eines von acht Kommandos, mit denen ich den Doppeldecker in den nächsten Tagen manövrieren werde. In der rechten Hand den stumpfen Mahut-Haken, den ich hinter Phu Siis Ohren ansetze und in die Richtung ziehe, in die er seine mächtigen Schritte lenken soll. Wie beim Auto. Die Bremse heißt »Hau!«, dazu setzt man den Haken an der Stirnwölbung in der Mitte des Schädels an und zieht nach hinten. Mein Körper wird von einem Hormoncocktail geflutet. Dieser Fünftonner, der weiß, dass er mich mit einer Bewegung töten könnte, tut, was ich will!

Phu Sii ist erst seit zwei Monaten in Bodos Camp. Davor hat er auf der Insel Phuket in einem der typischen Massenbetriebe gearbeitet, zu denen Touristen im Verlauf einer Tagestour gekarrt werden: Man sitzt eine Stunde lang bequem auf einer Bank auf dem Rücken des Elefanten. Dann kauft man Bananen, füttert ihn damit und steigt wieder in den klimatisierten Bus. Die Tiere sind im Dauereinsatz.

Seit die thailändische Regierung in den achtziger Jahren das Abholzen der Wälder verboten hat, sind Elefanten als Arbeitstiere kaum noch gefragt. Die Mahuts, die meist ihr ganzes Leben mit einem Tier verbringen, gingen zum Betteln in die Städte, besonders nach Bangkok – in eine Stadt, die schon für Menschen anstrengend genug ist. Was hat ein Elefant nachts im Rotlichtviertel Patpong zu suchen, zwischen Strip-Bars und brüllenden Lautsprechern? Durch den Stress, die Abgase, die Amphetamine, die mancher seinem Tier ins Futter mischte, kam es immer wieder zu Amokläufen.

Elefanten können Psychosen entwickeln. Manchmal setzt ein Tier jahrelang gleichmütig einen Fuß vor den anderen. Und plötzlich rastet es aus. Dann hat sich etwas angestaut, so wie bei manchen Menschen. Die Psychosen sind heilbar, sagt Bodo. Durch Respekt und Vertrauen. Sein »Viehzeug«, wie er es liebevoll nennt, hat eine Zweitagewoche. Die vier Stunden Schlaf, die es braucht, bekommt es im Dschungel. Dem Viehzeug geht es prächtig. Das kann man auch an den Füßen erkennen. Ein feuchter Rand um die Zehennägel ist ein gutes Zeichen. Dort transpirieren Elefanten; ihre Haut hat keine Schweißdrüsen.

Mae Bun Ngae, die Leitkuh der Herde, ist trächtig. In ihrem Bauch trampelt schon das Kalb. Es wurde vor 20 Monaten gezeugt. Vor Gästen.

Erster Ausritt, eine Stunde durch den Dschungel. Auf Augenhöhe jetzt: Baumkronen, Ameisennester, riesige Spinnen in ihren Netzen. Man muss die Augen offen halten. Und sehr viel schreien. Es gibt keinen Grund, im Wald leise zu sein, sagt Bodo. Die hier lebenden Kobras und Mambas sind dankbar für den Hinweis.

Phu Sii bleibt immer wieder stehen, rupft ganze Büsche und kleine Bäume aus dem Boden. 50 Tonnen Nahrung gehen pro Jahr durch einen Elefanten. Als schlechte Futterverwerter produzieren sie mit ihren Flatulenzen monströse Methanwolken. Das Krachen, als er das Holz zwischen seinen Zähnen zermahlt, geht als Erschütterung durch den ganzen Körper.

Aber Phu Sii soll jetzt nicht fressen, sondern laufen. Gib ihm mit dem Haken eins auf den Deckel, ruft Bodo. Ich mag Tiere nicht schlagen. Mein erster Versuch sieht aus, als würde ich ein Frühstücksei aufklopfen. Bodo kommt her, nimmt den Haken und verpasst Phu Sii unter martialischen Schreien ein paar auf die Zwölf. Ich zucke. Das tut ihm nicht weh, sagt Bodo. Wenn man ihn am Kopf streichelt, merkt er das gar nicht. Das Streicheln spürt nur der Streichelnde. Du musst ihm zeigen, wer der Mann ist. Und immer lächeln dabei. Am Abend wird meine Stimme so rau klingen, dass ich mich als Aushilfssänger bei AC/DC bewerben könnte, meine Arme werden zerschrammt sein wie die von Bruce Willis in Die Hard. Ich werde wanken wie ein Matrose beim Landgang, morgen mit einem prächtigen Ganzkörpermuskelkater erwachen und drei Eier zum Frühstück essen.

Aber jetzt müssen wir baden. Das ist zwingend, bevor man Elefanten sattelt. Unablässig bepudern sie sich mit Sand und kleinen Steinchen. Die würden die drei Zentimeter dicke, aber recht empfindliche Haut unter dem Sattel aufscheuern. Die Elefantenbadewanne ist ein natürliches Bassin, in das sich ein Wasserfall ergießt. Normalerweise würde Phu Sii sich lieber im Schlamm wälzen. Nun schiebt er sich vorwärts in die kühlen Fluten. Seine Farbe wechselt von Staubgrau zu Dunkelbraun. »Melo!«, rufe ich, auf seinem Nacken sitzend. Runter! Phu Sii taucht ab wie ein U-Boot. Ich setze den Haken an seinem Rücken an, ziehe ihn auf die Seite, wische mit bloßen Händen den Sand herunter. Schwer zu sagen, wie lange der Elefant unter Wasser bleibt. Die Wahrnehmung der Zeit wird in meinem Bewusstsein gerade auf neue Parameter umgestellt. Das hier geht so schnell und zugleich langsam, dass ich kaum glaube, es wirklich zu erleben. Heute Morgen, als Bodo uns abholte, trug ein livrierter Page meinen Koffer aus einem gediegenen Hotel in Chiang Mai. Ein paar Stunden später hängt eine weite schwarze Mahut-Hose auf meinen Hüften, ich plansche mit einem Elefanten. Und nun erhebt sich diese gewaltige Masse unter mir. Als würde ein Wal in Zeitlupe auftauchen. Sauber.

Triefnass reiten wir zu der Rampe neben der Pfahlhütte, in der die Mahuts schlafen. Eine drei Meter hohe Holzkonstruktion, auf der die Schlingen, Ketten, Decken und Transportkörbe liegen. Satteln ist die nächste Übung. Mek reicht mir das lange Seil an, das hinter den Vorderbeinen um den Bauch gezurrt wird. Phu Sii hebt behutsam einen Fuß, dann den anderen. Ganz einfach. Drei Lagen grobe Decken, zwei Gummimatten, der eiserne Korb, auf dem Passagiere und Lasten transportiert werden. Dann die hintere Schlinge. Phu Sii hebt den Schwanz, ich ziehe ihn an der borstigen Spitze durch die Öse. Ketten mit Karabinern, ein paar Knoten. Geht schnell von der Hand, doch sollte man schwindelfrei sein. Bei dieser Aktion steht man freihändig. Es geht um Vertrauen. Vertraut mir, sagt Bodo, vertraut den Tieren, vertraut euch selbst.

Am Morgen des zweiten Tages schlagen wir unten im Dorf mit Macheten saftiges Gras für die Elefanten, packen es in Ballen auf das Dach des Jeeps. Bodo ist bemüht, immer Futter hinauf in das Camp zu schaffen, seine Herde hat das Areal schon ziemlich gelichtet. Er lässt sogar Heu kommen. Hat länger gedauert, den Thais zu erklären, was das ist.

Nun sitzen wir wieder auf dem Boden. Diesmal mitten im Dschungel, beim Schlafplatz der Herde. Die gleiche Begrüßung wie zuvor. Heute können wir die Tiere bereits erkennen. Keine Spur mehr von Angst. Wir reiten über einen alten Pfad der Karen, lange Zeit ein Weg für den Opiumschmuggel.

Wie ist Bodo Förster, geboren vor 48 Jahren im thüringischen Saalfeld, Fagottist, später Trompeter im örtlichen Jugendorchester, hierhergekommen? Wie ist er zum unübersehbaren, unüberhörbaren Leitbullen für Dutzende Elefanten geworden, dessen Unternehmen rund 400 Menschen im Umkreis ernährt?

Bodo nennt sein Leben eine »typische Osthippie-Biografie«. Er dressierte die ersten Tiere im Alter von neun Jahren, vergesellschaftete einen Wellensittich mit einer weißen Maus. Nachdem er bei der NVA beinah vor die Hunde gegangen wäre, kam er 1986 nach Berlin, lebte mit Frau und Kindern zwei Jahre auf der Straße, nahm schließlich einen Job als Hilfsarbeiter in der Futtermühle des Tierparks Friedrichsfelde an. Ein paar Meter weiter standen die Elefanten. Er ging zum Zoodirektor: Das will ich machen. Tembo, sein erster Bulle, damals ein Kalb, lebt heute noch. 1989, in der Nacht zu Bodos Geburtstag, fiel die Mauer. Er schwor sich: In einem Jahr bist du in Asien. Er wollte dorthin, wo die besten Elefantenführer ausgebildet werden, nach Laos und Thailand. Er blieb vier Monate und kam immer wieder. Vor zehn Jahren eröffnete er sein erstes Camp. Bodo, der es hasst, wenn man ihn »den Elefantenflüsterer« nennt. Nicht nur, weil er mit einem ironischen Blitzen in den Augen herumschnauzt, als wolle er sich nachträglich noch einmal über die NVA lustig machen.

Sri Chinmoy, der greise indische Guru, zu dem schon Carlos Santana ging, kam eines Tages zu Bodo und wollte einen Elefanten heben. Eine seiner spektakulären, medienwirksamen Aktionen. Mit ihm kamen Hunderte von Beobachtern und Kamerateams. Ein Kalb von knapp 300 Kilo wurde ausgesucht, es wollte nicht stehen bleiben auf der Plattform, unter die der Guru treten sollte, um es anzuheben. Die Mutter drehte durch. Bodo schickte alle weg und »überredete die Mutter, ihr Kalb zu überreden«. Und Sri Chinmoy konnte seinen Elefanten stemmen.

Bodo, der bei seinen längeren Trekkingtouren ohne Zelt im Dschungel schläft, er sagt: Die Begegnung mit der Kreatur ist etwas Spirituelles. Ihn habe sie Demut und Gelassenheit gelehrt.

Eigenschaften, die hilfreich sind bei der dritten und letzten Stufe des Kurses: Baumstämme verladen. Dazu muss man sich mit mehreren Elefanten und den Reitern koordinieren. »Oh!« heißt das Kommando, kurz und guttural hervorgestoßen. Mindestens zwei Tiere gleichzeitig heben einen Baumstamm an, schubsen ihn dann mit den Füßen einmal quer über die Lichtung und stapeln die Stämme. Nach zwei Stunden in der Mittagssonne sind alle geschafft. Auch die Menschen.

Bodo und ich sitzen hinten, in dem Korb. Mek reitet Phu Sii. 120 Kilo Bodo, 85 Kilo Ralph, 50 Kilo Mek. Wir halten auf einen Wasserlauf zu. Phu Sii hebt den Rüssel und trompetet. Er will nicht in dieses Wasser. Vor Kurzem, während der Regenzeit, war der Wasserlauf ein reißender Strom. Bodo brüllt etwas auf Thai. Dann steigt Phu Sii ins Wasser. Rechts und links ragen die Berge auf. Wir rauchen.

Werde ich auf immer in Phu Siis riesigem Gehirn gespeichert sein? Phu Sii hat dich morgen schon vergessen, sagt Bodo. »Ich übrigens auch. Ich habe übermorgen die nächsten Gäste und muss mich völlig neu einstellen und einlassen.«

Phu Sii wird mich vergessen. Ich ihn nicht.

2010

Einfach elefantastisch! - DIE WELT
zum Originalartikel

von Martina Miethig, Die Welt, 14.08.2010

Eine Woche auf einem Dickhäuter durch den Regenwald Nordthailands schaukeln – und die Welt ist wieder in Ordnung

Kaum trampelt das drollige Baby auf meine Schlafsackrolle, da muss es mal. Nicht weiter schlimm? Von wegen! Denn „Baby Namenlos“ ist ein 200 Kilogramm schweres Elefantenkalb und sein Urinstrahl ein kleiner Sturzbach. So ist das eben, wenn 14 Elefantenführer (Mahouts) und sechs Touristen mit acht Dickhäutern einen 150 Kilometer langen Treck durch Dschungel und Nebelwald um den Doi Inthanon machen, Thailands höchsten Berg. Jenseits der Zivilisation darf man nicht zimperlich sein – und muss eine quasi elefantendicke Haut haben. Doch das Ergebnis ist unvergesslich.

Das sieht auch Bodo Förster so. Den Tierpfleger hat es vor fast 20 Jahren das erste Mal vom Ost-Berliner Tierpark nach Nordthailand verschlagen, wo er heute mit seinem Elefanten-Camp versucht, seinen Beitrag gegen das Aussterben der grauen Riesen zu leisten: „Die Touristen sind die einzige Rettung für die asiatischen Elefanten“, sagt er. Denn die Dickhäuter werden heute kaum mehr gebraucht. Als Tiere für die Waldarbeit sind sie arbeitslos, seit der Raubbau an den Wäldern in Thailand vor 20 Jahren verboten wurde. Nicht selten werden sie erschossen, weil sie Felder verwüsten oder in Bangkok als „bettelnde“ Almosengänger zwischen Hitze, Beton und Abgasen irgendwann Amok laufen. Heute leben in Thailand etwa 2400 domestizierte Elefanten, die meisten in Touristen-Camps, die Zahl der wilden Exemplare wird auf maximal 2000 geschätzt. Tendenz: fallend. Und so fragt sich sicherlich nicht nur Bodo Förster: „Ob meine Enkel noch Elefanten in der Natur erleben werden?“ Die Touristen, die jetzt eine Woche lang „ihren“ Elefanten waschen, satteln und auf dessen Nacken durch den Bergwald reiten wollen, haben noch dieses Glück. Und los gehts!

Die „Vertrauensprobe“ am ersten Tag: Wir sitzen eng gedrängt auf der Erde und sind umzingelt von den größten Landsäugetieren. Beine dick wie Baumstämme. Imponierende Stoßzähne haarscharf über uns. Ohren wedeln, Sand rieselt auf uns herab. Sechs Rüssel schlenkern hin und her, schnuppern am Menschenohr, betasten den Ausschnitt. „Baby Namenlos“ zwängt sich ungestüm durch die Beine seiner Mutter. Hatte Bodo nicht vorhin gewarnt? „Vorsicht, der rennt euch glatt um beim Spielen“, sagte er. Tja, jetzt sitze ich in Augenhöhe vor dem „Kleinen“, der ja nur spielen will. Diese Nähe zu den Giganten – ein bisschen mulmig ist mir schon. Aber das ist ja nur ein Baby! Was soll ich denn erst der für mich bestimmten Elefantenkuh beim ersten Rendezvous ins Riesenohr flüstern? Die 18-jährige Mae Kham Noi hat eine runzlige Nase mit Haaren, borstige graue Haut, Wimpern wie ein Schrubber, Löcher in den Ohren, und ihre 2,5 Tonnen Gewicht sind etwas aus der Form geraten, weil sie seit einem Jahr trächtig ist. Nach zehn Minuten gehen mir die Schmeichelworte aus. Praktikantin Tilli hat einen guten Tipp: „Ich hab meiner einfach mein Auto aufgeschwatzt“, sagt sie und lacht.

Geruch und Stimme sind wichtig beim Elefanten-Führerschein. Einige Regeln: kein Parfüm oder Deo, nicht ins Maul oder an die Rüsselspitze fassen, so niedlich rosa-herzförmig das neugierige Tentakel mit dem kleinen Greiffinger auch aussieht, um Dinge zu erkunden und damit zu hantieren, ob Baumstamm, Banane oder Malerpinsel. Unerlässlich wie zu Hause das Lenkrad ist dabei der bei Elefantenfreunden verhasste Eisenhaken. Aber erst einmal hinaufkommen! Mein Aufsitzen ist ein wenig eleganter Bocksprung auf die Stirn des knienden Elefanten, den Rest erledigt Mae Kham Noi, indem sie den Kopf hebt. Oder Bodo und sein Mahout Sin Chai, indem sie kräftig an mir schieben. Absteigen ist dagegen viel leichter: „Cheló!“ (Kopf runter!) und anschließend über den Rüssel hinabrutschen.

Und „Hua“ heißt: „Los gehts!“ Nur: Mae Kham Noi will nicht, entweder vernascht sie gerade den halben Baum, oder sie hat ein wichtiges Geschäft zu verrichten – oder beides. Nach zwei Tagen bin ich heiser. Auch wenn „Baby Namenlos“ bei Mutti trinkt, kommt es zum Stau – Glück gehabt, wer jetzt nicht mit dem Kopf in drei Metern Waldhöhe in einem Spinnennetz mit Bewohnern ungeahnten Ausmaßes verharren muss. Und erst dieser Bodo Förster. Der ist eine echte Type, der viel besser in die thailändischen Berge und zu seinen „Viechern“ passt als in einen Porzellanladen. Selbst ein Koloss mit durchdringendem Organ, trompetet der 46-Jährige seine Gäste auch schon mal im Feldwebel-Ton an: „IHR müsst die Kommandos geben, IHR seid sechs Tage allein mit dem Elefanten. Mann, wir sind doch hier nicht im Karnickelzuchtverein!“ Recht hat er. Mit Gabis Kommunikationsversuchen von Mensch zu Jumbo „Ach Mäuschen, nun lauf doch mal“ – läuft hier gar nichts. Zu verlockend baumeln die frischen, grünen Bambuszweige und Äste im Weg, so viele leckere Blätter, Wurzeln und Baumrinden. So ein Treck ist für unsere Reittiere wie ein Bummel durchs Schlaraffenland oder die Gourmet-Etage im KaDeWe nach einer Diät.

„Kwä“ (zurück!). „Kwäää… Kwäääääää!“ Ich kann rufen, brüllen, betteln oder versuchen, mich als Elefantenflüsterin einzuschmeicheln. Mit dem Eisenhaken am Ohr „lenken“, streicheln oder zuhauen, mit Fußstoß oder Kniedruck, mit Po- und Hüftschwenken, das jeden Salsatänzer begeistern würde. Null Reaktion. Mae Kham Noi ist ein Dickschädel, stur und verfressen, steckt ihren Rüssel sogar einmal in unseren Kochtopf. Die Giganten müssen am Tag rund 200 Kilogramm vertilgen, sie sind „Dauerfresser“. Endlich: Meine Elefantenkuh schlendert mit tonnenschwerer Eleganz zentimetergenau entlang des gerölligen Abhangs (was Günther hinter mir zu der Bemerkung veranlasst: „Wenn die ins Rutschen kommen!“), malmt an ihrem mitgeschleiften Ast und meistert trittsicher anstrengende Steigungen von 40 Grad. Der Elefanten-Treck – ein Schnecken-Marathon! Zu Fuß wären wir zweifellos schneller – aber um unzählige Eindrücke ärmer.

Der Elefantennarr Förster hat seinen Traum verwirklicht und macht nun die Träume anderer wahr, darunter Ärztinnen und Manager. Manche sind schon zum zweiten oder dritten Mal dabei, wie Michelle, frisch gekündigt von ihrer Bank und dennoch hier – oder gerade deswegen! Die 56-jährige Uschi ist von Kindheit an verzückt von den sanften Riesen. „Nun wird es langsam Zeit, einige Träume im Leben zu realisieren“, sagt sie. Das ist kein Urlaub, hatte Bodo Förster gewarnt. Dazu sind die Erlebnisse zu wenig komfortabel: So werden wir mehrmals täglich direkt aus dem Rüssel mit einer roten Staub- und Lehmschicht geduscht („Sandbaden“ sagen die Fachleute). Beim Flussbad muss man mitten durch allerlei elefantöse Hinterlassenschaften schwimmen. Noch im Schlafsack schwankt der Boden wie hoch oben auf dem Elefanten – auch ohne „Happy Water“, dem Reisschnaps, bei der Lagerfeuer-Runde. Und beim Aufstehen um fünf Uhr morgens ist es düster, feucht und kalt – mein innerer Schweinehund läge jetzt viel lieber mit einem Mojito am Karibik-Strand. Muskelkater an ungeahnten Stellen, Kratzer überall, Sand zwischen den Zähnen. Wer kein Elefanten-Fanatiker ist, hat hier nichts zu lachen. Dazu tun mir Knie und Hintern weh, ich laufe eine Weile als Schlusslicht der Karawane. Und wenn Dickhäuter unter Flatulenz leiden, also pupsen müssen, dann hört sich das an, als würde mitten im Urwald ein Porsche mit sattem Bollern angelassen. „Üble Winde“ lautet fortan der Warnruf für das Fußvolk. Und aufgepasst, wenn ein Elefant auf Toilette muss – bei den Dimensionen wundert man sich, dass der Waldboden nicht bebt. Unbequemlichkeiten, an die man sich aber gewöhnt.

Nach einigen Tagen muss auch ich mich nicht mehr an Mae Kham Nois Ohren festkrallen. Die schaukelnde Fortbewegung ist wunderbar geeignet zum Meditieren – wären da nicht die dornigen Lianen und Äste. Nur wenn ein Pick-up auf der Piste entgegenkommt, dann zeigt auch die ausgeglichene Mae Kham Noi mal Temperament, stellt die Ohren auf und trompetet kurz. Bald vertraute Geräusche, die ich zu Hause sicherlich vermissen werde: „Baby Namenlos“ quietscht ab und zu, ein vibrierendes Brummen aus dem Leib von Mae Kham Noi bedeutet, dass sie Selbstgespräche führt (oder mit ihrem Baby im Bauch?). Sin Chai, unser Troubadour, klimpert dazu auf der Gitarre. Und die Touristen? Michelle trägt irgendwann ein seliges Dauerlächeln, Uschi schmettert Belafonte-Lieder – und ich habe meine Elefantenkuh längst lieb gewonnen. Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde? Von wegen.

 

Trotz Strapazen – Elefanten-Trekking macht glücklich! - DIE WELT
zum Originalartikel

von Martina Miethig, Die Welt, 13.08.2010

Wer auf einem Dickhäuter durch den Regenwald Nordthailands schaukelt, hat es nicht leicht – und doch ist die Welt dann wieder in Ordnung.

Kaum trampelt das drollige Baby auf meine Schlafsackrolle, da muss es mal. Nicht weiter schlimm? Von wegen! Denn „Baby Namenlos“ ist ein 200 Kilogramm schweres Elefantenkalb und sein Urinstrahl ein kleiner Sturzbach. So ist das eben, wenn 14 Elefantenführer (Mahouts) und sechs Touristen mit acht Dickhäutern einen 150 Kilometer langen Treck durch Dschungel und Nebelwald um den Doi Inthanon machen, Thailands höchsten Berg. Jenseits der Zivilisation darf man nicht zimperlich sein – und muss eine quasi elefantendicke Haut haben. Doch das Ergebnis ist unvergesslich.

Das sieht auch Bodo Förster so. Den Tierpfleger hat es vor fast 20 Jahren das erste Mal vom Ost-Berliner Tierpark nach Nordthailand verschlagen, wo er heute mit seinem Elefanten-Camp versucht, seinen Beitrag gegen das Aussterben der grauen Riesen zu leisten: „Die Touristen sind die einzige Rettung für die asiatischen Elefanten“, sagt er. Denn die Dickhäuter werden heute kaum mehr gebraucht. Als Tiere für die Waldarbeit sind sie arbeitslos, seit der Raubbau an den Wäldern in Thailand vor 20 Jahren verboten wurde. Nicht selten werden sie erschossen, weil sie Felder verwüsten oder in Bangkok als „bettelnde“ Almosengänger zwischen Hitze, Beton und Abgasen irgendwann Amok laufen. Heute leben in Thailand etwa 2400 domestizierte Elefanten, die meisten in Touristen-Camps, die Zahl der wilden Exemplare wird auf maximal 2000 geschätzt. Tendenz: fallend. Und so fragt sich sicherlich nicht nur Bodo Förster: „Ob meine Enkel noch Elefanten in der Natur erleben werden?“ Die Touristen, die jetzt eine Woche lang „ihren“ Elefanten waschen, satteln und auf dessen Nacken durch den Bergwald reiten wollen, haben noch dieses Glück. Und los geht’s!

Die „Vertrauensprobe“ am ersten Tag: Wir sitzen eng gedrängt auf der Erde und sind umzingelt von den größten Landsäugetieren. Beine dick wie Baumstämme. Imponierende Stoßzähne haarscharf über uns. Ohren wedeln, Sand rieselt auf uns herab. Sechs Rüssel schlenkern hin und her, schnuppern am Menschenohr, betasten den Ausschnitt. „Baby Namenlos“ zwängt sich ungestüm durch die Beine seiner Mutter. Hatte Bodo nicht vorhin gewarnt? „Vorsicht, der rennt euch glatt um beim Spielen“, sagte er. Tja, jetzt sitze ich in Augenhöhe vor dem „Kleinen“, der ja nur spielen will. Diese Nähe zu den Giganten – ein bisschen mulmig ist mir schon.

Aber das ist ja nur ein Baby! Was soll ich denn erst der für mich bestimmten Elefantenkuh beim ersten Rendezvous ins Riesenohr flüstern? Die 18-jährige Mae Kham Noi hat eine runzlige Nase mit Haaren, borstige graue Haut, Wimpern wie ein Schrubber, Löcher in den Ohren, und ihre 2,5 Tonnen Gewicht sind etwas aus der Form geraten, weil sie seit einem Jahr trächtig ist. Nach zehn Minuten gehen mir die Schmeichelworte aus. Praktikantin Tilli hat einen guten Tipp: „Ich hab‘ meiner einfach mein Auto aufgeschwatzt“, sagt sie und lacht.

Bitte nicht ins Maul fassen!

Geruch und Stimme sind wichtig beim Elefanten-Führerschein. Einige Regeln: kein Parfüm oder Deo, nicht ins Maul oder an die Rüsselspitze fassen, so niedlich rosa-herzförmig das neugierige Tentakel mit dem kleinen Greiffinger auch aussieht, um Dinge zu erkunden und damit zu hantieren, ob Baumstamm, Banane oder Malerpinsel. Unerlässlich wie zu Hause das Lenkrad ist dabei der bei Elefantenfreunden verhasste Eisenhaken. Aber erst einmal hinaufkommen! Mein Aufsitzen ist ein wenig eleganter Bocksprung auf die Stirn des knienden Elefanten, den Rest erledigt Mae Kham Noi, indem sie den Kopf hebt. Oder Bodo und sein Mahout Sin Chai, indem sie kräftig an mir schieben. Absteigen ist dagegen viel leichter: „Cheló!“ (Kopf runter!) und anschließend über den Rüssel hinabrutschen.

Und „Hua“ heißt: „Los geht’s!“ Nur: Mae Kham Noi will nicht, entweder vernascht sie gerade den halben Baum, oder sie hat ein wichtiges Geschäft zu verrichten – oder beides. Nach zwei Tagen bin ich heiser. Auch wenn „Baby Namenlos“ bei Mutti trinkt, kommt es zum Stau – Glück gehabt, wer jetzt nicht mit dem Kopf in drei Metern Waldhöhe in einem Spinnennetz mit Bewohnern ungeahnten Ausmaßes verharren muss.

Und erst dieser Bodo Förster. Der ist eine echte Type, der viel besser in die thailändischen Berge und zu seinen „Viechern“ passt als in einen Porzellanladen. Selbst ein Koloss mit durchdringendem Organ, trompetet der 46-Jährige seine Gäste auch schon mal im Feldwebel-Ton an: „IHR müsst die Kommandos geben, IHR seid sechs Tage allein mit dem Elefanten. Mann, wir sind doch hier nicht im Karnickelzuchtverein!“ Recht hat er. Mit Gabis Kommunikationsversuchen von Mensch zu Jumbo „Ach Mäuschen, nun lauf doch mal“ – läuft hier gar nichts. Zu verlockend baumeln die frischen, grünen Bambuszweige und Äste im Weg, so viele leckere Blätter, Wurzeln und Baumrinden. So ein Treck ist für unsere Reittiere wie ein Bummel durchs Schlaraffenland oder die Gourmet-Etage im KaDeWe nach einer Diät.

Tägliche Essensration: 200 Kilogramm

„Kwä“ (zurück!). „Kwäää… Kwäääääää!“ Ich kann rufen, brüllen, betteln oder versuchen, mich als Elefantenflüsterin einzuschmeicheln. Mit dem Eisenhaken am Ohr „lenken“, streicheln oder zuhauen, mit Fußstoß oder Kniedruck, mit Po- und Hüftschwenken, das jeden Salsatänzer begeistern würde. Null Reaktion. Mae Kham Noi ist ein Dickschädel, stur und verfressen, steckt ihren Rüssel sogar einmal in unseren Kochtopf. Die Giganten müssen am Tag rund 200 Kilogramm vertilgen, sie sind „Dauerfresser“. Endlich: Meine Elefantenkuh schlendert mit tonnenschwerer Eleganz zentimetergenau entlang des gerölligen Abhangs (was Günther hinter mir zu der Bemerkung veranlasst: „Wenn die ins Rutschen kommen!“), malmt an ihrem mitgeschleiften Ast und meistert trittsicher anstrengende Steigungen von 40 Grad. Der Elefanten-Treck – ein Schnecken-Marathon! Zu Fuß wären wir zweifellos schneller – aber um unzählige Eindrücke ärmer.

Der Elefantennarr Förster hat seinen Traum verwirklicht und macht nun die Träume anderer wahr, darunter Ärztinnen und Manager. Manche sind schon zum zweiten oder dritten Mal dabei, wie Michelle, frisch gekündigt von ihrer Bank und dennoch hier – oder gerade deswegen! Die 56-jährige Uschi ist von Kindheit an verzückt von den sanften Riesen. „Nun wird es langsam Zeit, einige Träume im Leben zu realisieren“, sagt sie.

Das ist kein Urlaub, hatte Bodo Förster gewarnt. Dazu sind die Erlebnisse zu wenig komfortabel: So werden wir mehrmals täglich direkt aus dem Rüssel mit einer roten Staub- und Lehmschicht geduscht („Sandbaden“ sagen die Fachleute). Beim Flussbad muss man mitten durch allerlei elefantöse Hinterlassenschaften schwimmen. Noch im Schlafsack schwankt der Boden wie hoch oben auf dem Elefanten – auch ohne „Happy Water“, dem Reisschnaps, bei der Lagerfeuer-Runde. Und beim Aufstehen um fünf Uhr morgens ist es düster, feucht und kalt – mein innerer Schweinehund läge jetzt viel lieber mit einem Mojito am Karibik-Strand. Muskelkater an ungeahnten Stellen, Kratzer überall, Sand zwischen den Zähnen. Wer kein Elefanten-Fanatiker ist, hat hier nichts zu lachen. Dazu tun mir Knie und Hintern weh, ich laufe eine Weile als Schlusslicht der Karawane. Und wenn Dickhäuter unter Flatulenz leiden, also pupsen müssen, dann hört sich das an, als würde mitten im Urwald ein Porsche mit sattem Bollern angelassen. „Üble Winde“ lautet fortan der Warnruf für das Fußvolk. Und aufgepasst, wenn ein Elefant auf Toilette muss – bei den Dimensionen wundert man sich, dass der Waldboden nicht bebt. Unbequemlichkeiten, an die man sich aber gewöhnt.

Nach einigen Tagen muss auch ich mich nicht mehr an Mae Kham Nois Ohren festkrallen. Die schaukelnde Fortbewegung ist wunderbar geeignet zum Meditieren – wären da nicht die dornigen Lianen und Äste. Nur wenn ein Pick-up auf der Piste entgegenkommt, dann zeigt auch die ausgeglichene Mae Kham Noi mal Temperament, stellt die Ohren auf und trompetet kurz. Bald vertraute Geräusche, die ich zu Hause sicherlich vermissen werde: „Baby Namenlos“ quietscht ab und zu, ein vibrierendes Brummen aus dem Leib von Mae Kham Noi bedeutet, dass sie Selbstgespräche führt (oder mit ihrem Baby im Bauch?). Sin Chai, unser Troubadour, klimpert dazu auf der Gitarre. Und die Touristen? Michelle trägt irgendwann ein seliges Dauerlächeln, Uschi schmettert Belafonte-Lieder – und ich habe meine Elefantenkuh längst lieb gewonnen. Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde? Von wegen.

Trotz Strapazen – Elefanten-Trekking macht glücklich! - DIE WELT
zum Originalartikel

von Martina Miethig, Die Welt, 13.08.2010

Wer auf einem Dickhäuter durch den Regenwald Nordthailands schaukelt, hat es nicht leicht – und doch ist die Welt dann wieder in Ordnung.

Kaum trampelt das drollige Baby auf meine Schlafsackrolle, da muss es mal. Nicht weiter schlimm? Von wegen! Denn „Baby Namenlos“ ist ein 200 Kilogramm schweres Elefantenkalb und sein Urinstrahl ein kleiner Sturzbach. So ist das eben, wenn 14 Elefantenführer (Mahouts) und sechs Touristen mit acht Dickhäutern einen 150 Kilometer langen Treck durch Dschungel und Nebelwald um den Doi Inthanon machen, Thailands höchsten Berg. Jenseits der Zivilisation darf man nicht zimperlich sein – und muss eine quasi elefantendicke Haut haben. Doch das Ergebnis ist unvergesslich.

Das sieht auch Bodo Förster so. Den Tierpfleger hat es vor fast 20 Jahren das erste Mal vom Ost-Berliner Tierpark nach Nordthailand verschlagen, wo er heute mit seinem Elefanten-Camp versucht, seinen Beitrag gegen das Aussterben der grauen Riesen zu leisten: „Die Touristen sind die einzige Rettung für die asiatischen Elefanten“, sagt er. Denn die Dickhäuter werden heute kaum mehr gebraucht. Als Tiere für die Waldarbeit sind sie arbeitslos, seit der Raubbau an den Wäldern in Thailand vor 20 Jahren verboten wurde. Nicht selten werden sie erschossen, weil sie Felder verwüsten oder in Bangkok als „bettelnde“ Almosengänger zwischen Hitze, Beton und Abgasen irgendwann Amok laufen. Heute leben in Thailand etwa 2400 domestizierte Elefanten, die meisten in Touristen-Camps, die Zahl der wilden Exemplare wird auf maximal 2000 geschätzt. Tendenz: fallend. Und so fragt sich sicherlich nicht nur Bodo Förster: „Ob meine Enkel noch Elefanten in der Natur erleben werden?“ Die Touristen, die jetzt eine Woche lang „ihren“ Elefanten waschen, satteln und auf dessen Nacken durch den Bergwald reiten wollen, haben noch dieses Glück. Und los geht’s!

Die „Vertrauensprobe“ am ersten Tag: Wir sitzen eng gedrängt auf der Erde und sind umzingelt von den größten Landsäugetieren. Beine dick wie Baumstämme. Imponierende Stoßzähne haarscharf über uns. Ohren wedeln, Sand rieselt auf uns herab. Sechs Rüssel schlenkern hin und her, schnuppern am Menschenohr, betasten den Ausschnitt. „Baby Namenlos“ zwängt sich ungestüm durch die Beine seiner Mutter. Hatte Bodo nicht vorhin gewarnt? „Vorsicht, der rennt euch glatt um beim Spielen“, sagte er. Tja, jetzt sitze ich in Augenhöhe vor dem „Kleinen“, der ja nur spielen will. Diese Nähe zu den Giganten – ein bisschen mulmig ist mir schon.

Aber das ist ja nur ein Baby! Was soll ich denn erst der für mich bestimmten Elefantenkuh beim ersten Rendezvous ins Riesenohr flüstern? Die 18-jährige Mae Kham Noi hat eine runzlige Nase mit Haaren, borstige graue Haut, Wimpern wie ein Schrubber, Löcher in den Ohren, und ihre 2,5 Tonnen Gewicht sind etwas aus der Form geraten, weil sie seit einem Jahr trächtig ist. Nach zehn Minuten gehen mir die Schmeichelworte aus. Praktikantin Tilli hat einen guten Tipp: „Ich hab‘ meiner einfach mein Auto aufgeschwatzt“, sagt sie und lacht.

Bitte nicht ins Maul fassen!

Geruch und Stimme sind wichtig beim Elefanten-Führerschein. Einige Regeln: kein Parfüm oder Deo, nicht ins Maul oder an die Rüsselspitze fassen, so niedlich rosa-herzförmig das neugierige Tentakel mit dem kleinen Greiffinger auch aussieht, um Dinge zu erkunden und damit zu hantieren, ob Baumstamm, Banane oder Malerpinsel. Unerlässlich wie zu Hause das Lenkrad ist dabei der bei Elefantenfreunden verhasste Eisenhaken. Aber erst einmal hinaufkommen! Mein Aufsitzen ist ein wenig eleganter Bocksprung auf die Stirn des knienden Elefanten, den Rest erledigt Mae Kham Noi, indem sie den Kopf hebt. Oder Bodo und sein Mahout Sin Chai, indem sie kräftig an mir schieben. Absteigen ist dagegen viel leichter: „Cheló!“ (Kopf runter!) und anschließend über den Rüssel hinabrutschen.

Und „Hua“ heißt: „Los geht’s!“ Nur: Mae Kham Noi will nicht, entweder vernascht sie gerade den halben Baum, oder sie hat ein wichtiges Geschäft zu verrichten – oder beides. Nach zwei Tagen bin ich heiser. Auch wenn „Baby Namenlos“ bei Mutti trinkt, kommt es zum Stau – Glück gehabt, wer jetzt nicht mit dem Kopf in drei Metern Waldhöhe in einem Spinnennetz mit Bewohnern ungeahnten Ausmaßes verharren muss.

Und erst dieser Bodo Förster. Der ist eine echte Type, der viel besser in die thailändischen Berge und zu seinen „Viechern“ passt als in einen Porzellanladen. Selbst ein Koloss mit durchdringendem Organ, trompetet der 46-Jährige seine Gäste auch schon mal im Feldwebel-Ton an: „IHR müsst die Kommandos geben, IHR seid sechs Tage allein mit dem Elefanten. Mann, wir sind doch hier nicht im Karnickelzuchtverein!“ Recht hat er. Mit Gabis Kommunikationsversuchen von Mensch zu Jumbo „Ach Mäuschen, nun lauf doch mal“ – läuft hier gar nichts. Zu verlockend baumeln die frischen, grünen Bambuszweige und Äste im Weg, so viele leckere Blätter, Wurzeln und Baumrinden. So ein Treck ist für unsere Reittiere wie ein Bummel durchs Schlaraffenland oder die Gourmet-Etage im KaDeWe nach einer Diät.

Tägliche Essensration: 200 Kilogramm

„Kwä“ (zurück!). „Kwäää… Kwäääääää!“ Ich kann rufen, brüllen, betteln oder versuchen, mich als Elefantenflüsterin einzuschmeicheln. Mit dem Eisenhaken am Ohr „lenken“, streicheln oder zuhauen, mit Fußstoß oder Kniedruck, mit Po- und Hüftschwenken, das jeden Salsatänzer begeistern würde. Null Reaktion. Mae Kham Noi ist ein Dickschädel, stur und verfressen, steckt ihren Rüssel sogar einmal in unseren Kochtopf. Die Giganten müssen am Tag rund 200 Kilogramm vertilgen, sie sind „Dauerfresser“. Endlich: Meine Elefantenkuh schlendert mit tonnenschwerer Eleganz zentimetergenau entlang des gerölligen Abhangs (was Günther hinter mir zu der Bemerkung veranlasst: „Wenn die ins Rutschen kommen!“), malmt an ihrem mitgeschleiften Ast und meistert trittsicher anstrengende Steigungen von 40 Grad. Der Elefanten-Treck – ein Schnecken-Marathon! Zu Fuß wären wir zweifellos schneller – aber um unzählige Eindrücke ärmer.

Der Elefantennarr Förster hat seinen Traum verwirklicht und macht nun die Träume anderer wahr, darunter Ärztinnen und Manager. Manche sind schon zum zweiten oder dritten Mal dabei, wie Michelle, frisch gekündigt von ihrer Bank und dennoch hier – oder gerade deswegen! Die 56-jährige Uschi ist von Kindheit an verzückt von den sanften Riesen. „Nun wird es langsam Zeit, einige Träume im Leben zu realisieren“, sagt sie.

Das ist kein Urlaub, hatte Bodo Förster gewarnt. Dazu sind die Erlebnisse zu wenig komfortabel: So werden wir mehrmals täglich direkt aus dem Rüssel mit einer roten Staub- und Lehmschicht geduscht („Sandbaden“ sagen die Fachleute). Beim Flussbad muss man mitten durch allerlei elefantöse Hinterlassenschaften schwimmen. Noch im Schlafsack schwankt der Boden wie hoch oben auf dem Elefanten – auch ohne „Happy Water“, dem Reisschnaps, bei der Lagerfeuer-Runde. Und beim Aufstehen um fünf Uhr morgens ist es düster, feucht und kalt – mein innerer Schweinehund läge jetzt viel lieber mit einem Mojito am Karibik-Strand. Muskelkater an ungeahnten Stellen, Kratzer überall, Sand zwischen den Zähnen. Wer kein Elefanten-Fanatiker ist, hat hier nichts zu lachen. Dazu tun mir Knie und Hintern weh, ich laufe eine Weile als Schlusslicht der Karawane. Und wenn Dickhäuter unter Flatulenz leiden, also pupsen müssen, dann hört sich das an, als würde mitten im Urwald ein Porsche mit sattem Bollern angelassen. „Üble Winde“ lautet fortan der Warnruf für das Fußvolk. Und aufgepasst, wenn ein Elefant auf Toilette muss – bei den Dimensionen wundert man sich, dass der Waldboden nicht bebt. Unbequemlichkeiten, an die man sich aber gewöhnt.

Nach einigen Tagen muss auch ich mich nicht mehr an Mae Kham Nois Ohren festkrallen. Die schaukelnde Fortbewegung ist wunderbar geeignet zum Meditieren – wären da nicht die dornigen Lianen und Äste. Nur wenn ein Pick-up auf der Piste entgegenkommt, dann zeigt auch die ausgeglichene Mae Kham Noi mal Temperament, stellt die Ohren auf und trompetet kurz. Bald vertraute Geräusche, die ich zu Hause sicherlich vermissen werde: „Baby Namenlos“ quietscht ab und zu, ein vibrierendes Brummen aus dem Leib von Mae Kham Noi bedeutet, dass sie Selbstgespräche führt (oder mit ihrem Baby im Bauch?). Sin Chai, unser Troubadour, klimpert dazu auf der Gitarre. Und die Touristen? Michelle trägt irgendwann ein seliges Dauerlächeln, Uschi schmettert Belafonte-Lieder – und ich habe meine Elefantenkuh längst lieb gewonnen. Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde? Von wegen.

Törööö: Willkommen in der Elefanten-Fahrschule! - freenet.de
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von Andreas Besch, freenet.de, 11.02.2010

Echt tierisch: Bei einem Thüringer in Thailand können Touristen den „Elefanten-Führerschein“ machen. Ein Blick in das ungewöhnliche Dickhäuter-Camp…

Sanfte Riesen, weiche Ohren… In Zoos zählen Elefanten zu den beliebtesten Tieren. So verlor auch Bodo Förster (46) einst sein Herz an die Dickhäuter – der gebürtige Thüringer war jahrelang Tierpfleger im Ostberliner Tierpark Friedrichsfelde. Heute ist er einer der fachkundigsten Elefantenführer in Asien. Knapp ein Jahr nach dem Mauerfall reiste er zum ersten Mal nach Thailand – um den vom Aussterben bedrohten Elefanten zu helfen. Am Rande des Nationalparks „Doi Intanon“ im Norden Thailands baute er mit einem Partner zwei „Dumbo“-Camps auf – und reitet heute mit Touristen durch den Dschungel, zeigt ihnen Natur, die Kultur der Bergvölker und das Leben mit den großen Tieren. Besonders beliebt: Bei einem 14-tägigen Kurs kann man bei Bodo den „Elefanten-Führerschein“ machen.

Sanfter Tourismus hilft Tieren und Menschen

„Schon als Elefantenpfleger in Berlin habe ich von der Begegnung mit den Tieren in der ursprünglichen Natur geträumt“, gesteht Bodo Förster. Von den „Mahouts“, wie die Elefantenführer beim Bergvolk der Karen heißen, lernte er das Handwerk. Zu einem Zeitpunkt, als in Thailand eine jahrhundertealte Tradition zu Ende ging: Mit dem Verbot des Holzeinschlags in den Wäldern wurden auch die Arbeitselefanten überflüssig. Förster: „Aus einer würdevollen Kreatur, die für schwere Arbeit benötigt und dementsprechend gepflegt wurde, wurde ein Zirkustier.“ In seinen Camps will er den Menschen Respekt vor den drei Tonnen schweren Tieren beibringen – und den Elefanten ein würdevolles Leben ermöglichen. Acht ausgewachsene Elefanten leben im Camp „Mae Sapok“, außerdem fünf Jungtiere, die hier auch geboren wurden. Die inzwischen 50jährige Elefantenkuh „Mae Gaeo“ gehört Förster selbst, die anderen Tiere sind gemietet. Der „Elefantenflüsterer“: „Unsere Tiere sind halbwild, nachts sind sie im Wald, suchen sich ihre Nahrung, am Tage müssen wir zufüttern.“ Etwa 25 Euro Unterhalt kostet ein „Dumbo“ am Tag – er verputzt bis zu 200 Kilo Grünzeugs, säuft 100 Liter Wasser. Während in anderen Farmen die Jungtiere früh von den Eltern getrennt werden, bleiben in Försters Camps wenigstens vier Jahre bei der Mutter. „Die Tiere fühlen sich bei uns richtig wohl“, sagt Bodo Förster stolz.

Elefanten-Fans kommen aus aller Welt

Bodo Försters sanftes Tourismus-Rezept ging auf: Seine Gäste kommen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und aus Australien. Was lernen sie in der Elefanten-Fahrschule? „In den ersten Tagen ist es wichtig, dass der Dickhäuter sich an die neue Stimme gewöhnt. Der Gast muss viel und laut mit dem Tier sprechen“, erklärt Bodo Förster. Auf dem Stundenplan stehen auch: Aufschnallen des Sitzkorbes, Lenken, Führen, Wenden auf engstem Raum, Baumstämme-Stapeln, Baden und Waschen des Elefanten im Fluss. Auch die Kommandos muss man pauken: „Ma pe“ heißt z.B. „komm mit!“, „Kwe Kwe“ bedeutet „zurück!“ Für die meisten Elefanten-Freaks ist vor allem das Verhalten der grauen Riesen eine Überraschung. „Elefanten sind zwar keine Menschen, aber sie sind ihnen manchmal ähnlich“, lacht Bodo Förster. „Sie können hysterisch sein, melancholisch, schlecht gelaunt, stur, faul oder albern.“ Und: Elefanten denken ständig ans Essen und lieben Süßes! „Wer mit den Elefanten arbeitet, arbeitet selbst am meisten“, so der Experte. Und das ist spätestens nach 14 Tagen auch den Camp-Touristen klar, wenn sie ihren „Elefantenführerschein als Urkunde bekommen.

2009

Tourismus hilft Tiere schützen - NTV
von Bernd Kubisch Elefanten-„Führerschein“ im Dschungel Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken – der Elefanten! Zumindest im Norden Thailands, wo immer mehr umweltbewusste Farangs im Urlaub mit Dickhäutern leben, unter fachkundiger Begleitung durch den Dschungel reiten und dabei die Natur und das Leben von Bergvölkern erkunden. Das Wort Farang steht für Gäste aus dem Westen, die ja längere Nasen und mehr Geld haben. Ausgerechnet eine „Langnase“, ein ehemaliger Pfleger des Berliner Tierparks Friedrichsfelde, zählt heute in Thailand zu den angesehensten Elefantenführern und -trainern der Region. Die Tiere brauchen auch dringend Hilfe. Denn die Zahl der Dickhäuter wird in Asien immer kleiner und ihr Leben vielerorts immer trauriger. Sanfter Tourismus hilft Tier und Mensch. Das Dickhäuter-Camp in Mae Sapok, das Bodo Jens Förster mit seinem thailändischen Partner Chai Nam Tsetang aufgebaut hat, liegt am Rande des „Doi Inthanon“-Nationalparks, eine Autostunde von der Großstadt Chiang Mai entfernt. Es ist vor allem wegen seiner Urwald-Exkursionen und einem 14-Tage-Kurs mit Elefanten-„Führerschein“ beliebt. Von Berlin-Friedrichsfelde nach Thailand Der Deutsche nickt lächelnd auf die Frage, ob er ein „Verrückter“ in Sachen Dickhäuter ist. „Als Elefantenpfleger in Berlin-Friedrichsfelde habe ich von der Begegnung mit den Tieren in ihrer ursprünglichen Natur geträumt.“ Knapp ein Jahr nach dem Mauerfall reiste er nach Thailand. Dort lernte der langhaarige 46-Jährige sein Handwerk bei den Mahouts, wie die Elefantenführer beim Bergvolk der Karen heißen. Dazu gehört viel Verständnis, Gefühl und vielleicht auch ein wenig Glück. Förster erinnert sich: „“Bewege diesen Elefanten“, sagte mir einer der Mahouts. Ich konnte ihn tatsächlich bewegen, durfte bleiben und lernen. Ich akzeptiere Tiere, Menschen und Natur. Deshalb wurde ich schon damals hier akzeptiert.“ Wer in Thailand Urlaub mit Elefanten zwischen Bambus, Reisfeldern und Teakwäldern macht, erlebt nicht nur ein persönliches Glücksgefühl und hat zu Hause in der Firma oder am Stammtisch viel zu erzählen. „Das Leben und Lernen der Touristen mit Dickhäutern gibt Einheimischen und den Tieren Lohn und Brot, fördert das Verständnis von Natur und verschiedenen Völkern“, sagt der Innsbrucker Dieter Schramm, einer der 30 Mitarbeiter des Unternehmens. Der 47-Jährige leitet das kleinere der beiden Camps von Elephant Special Tours in Mae Sapok, wo auch die längeren Exkursionen zu Bergvölkern, Tempeln und Wasserfällen starten. Alle sind Gewinner, wenn sie behutsam miteinander umgehen. Gäste und Elefanten-Fans aus Leverkusen, Berlin, Hamburg, Zürich, Wien und Sidney bestätigen das, auch die Unternehmensberaterin Bianca Horna aus Frankfurt am Main. Die 39-Jährige sitzt ganz entspannt auf „Mae Geo“, die beim Dschungelausritt gerade wieder eine Naschpause einlegt und am Bambus zupft. Horna liebt seit ihrer Kindheit Elefanten. Ausritt, Lenken, Führen, Wenden auf engem Raum, auch Stämmestapeln, Baden und Waschen im Fluss sowie das Aufschnallen des Sitz- und Lastenkorbs gehören zum 14-tägigen Kurs mit den grauen Riesen. „Alles nicht so schwer“   „Das ist alles nicht so schwer, zumal mich mein Tier gut zu verstehen scheint“, sagt Horna. Zwischen Flüsschen, Elefantengras, Bambusstauden und hohem Gebüsch nähern sich die Gäste in Begleitung ihrer Mahouts am ersten Tag den Tieren. Die Elefanten nehmen dann Kontakt mit ihren Schülern auf. Jeder redet mit seinem Tier, ob in Deutsch, Englisch oder Thai. Die Dickhäuter registrieren Geruch, Bewegung und Stimme. Parfüm und Creme sind unerwünscht. Das würde den Geruchssinn der Tiere stören. „Mae Geo“ hat mich schnell akzeptiert“, sagt Horna. Das einzige Problem: Beim Aufschnallen des Metallkorbes auf dem massigen Rücken hat die Urlauberin Schwierigkeiten. „Die Verknotung der schweren Seile ist zumindest für Frauenhände nicht so einfach. Für mich ist das der schwierigste Teil des Kursus.“ Die Seile dürfen nicht zu straff, aber auch nicht zu locker befestigt sein. Der Korb muss, besonders wenn er schwere Lasten trägt und nicht nur einen Menschen, auch bei Auf- und Abstieg in Balance auf dem Elefantenrücken bleiben. Zum Glück ist Doe immer zur Stelle und zieht nun einen der Knoten fester. Der 25-Jährige Mahout vom Bergvolk der Karen kümmert sich rund um die Uhr um „Mae Geo“. Mit ihr erkundet er neue Futterstellen und schläft auch ein paar Meter von ihr entfernt im Wald. Doe hat seiner deutschen Schülerin beigebracht, ihrem Tier beim Ausritt viel Freiraum zum Fressen zu lassen. Das macht sie auch heute am letzten Tag ihrer zwei Elefanten-Wochen. „Mae Geo“ ist 22 Jahre alt und etwa im 19. Monat schwanger. In drei oder vier Monaten kommt ihr Baby zur Welt. Die Elefantenlady biegt sich mit ihrem Rüssel eine Bambusstange zurecht, bricht sie geschickt und schiebt sich die Stücke ins Maul. Genug gefressen. Weiter geht’s. „Kwe!“, „Kwe!“ („Zurück!“) Mit diesem Ruf und ihren Füßen versucht Horna von ihrem Sitzkorb aus, das Tier vom Bambus wegzulocken und zum Weitertrotten zu ermuntern. Nach einem lauten „Hu!“, „Hu!“ („Vorwärts!“) setzt sich „Mae Geo“ gemächlich in Bewegung. Hilfe durch junge Karen   Ein älterer Berliner, der im Camp einen kurzen Schnupperkurs macht, schaut bewundernd zu. Er ist froh, dass er nicht selbst steuern und rufen muss und seine Elefantendame „Mae Geo“ folgt. Es geht einen Teakholzhain steil bergab. Der Berliner klammert sich an seinen Sitzkorb, damit er nicht nach vorn rutscht und auf Mahout Tam. Der 20-jährige Karen sitzt auf dem Nacken des Tieres, hält mühelos Balance und steuert seinen Elefanten lässig mit den Schenkeln. Das Stöckchen mit stumpfen Haken muss er bei Elefantenmutter „Mae Kam Noi“ kaum einsetzen. Sie ist 17. Ihr sieben Monate altes Baby läuft immer um sie herum, zupft auch spielerisch an Blättern und Ästen, frisst davon aber nichts, sondern macht hin und wieder einen Milchstopp bei der Mama. „Bei der Geburt war der Nachwuchs 100 Kilo schwer, heute bringt er fast das Doppelte auf die Waage“, erklärt Tam. Bis der junge Elefant das Gewicht der Mutter von 2,5 Tonnen erreicht, dauert es noch eine Weile. „Jungtiere sollten wenigstens vier Jahre bei ihrer Mutter bleiben dürfen“, sagt später Bodo Jens Förster. In vielen Camps und auf Farmen würden Elefanten zu früh getrennt. „Das schadet ihrer Entwicklung.“ Der Deutsche ist froh und stolz, dass sich bei ihm die Dickhäuter wohlfühlen. Acht ausgewachsene Elefanten, davon ein Bulle, leben im Camp, außerdem fünf hier geborene Jungtiere. Bis auf ein Tier sind alle Elefanten, die mit Touristen arbeiten, gemietet. Die Eigentümer leben in einem Dorf an der Grenze zu Birma. Bis zu 200 kg Grünzeug täglich Der Unterhalt eines Elefanten kann bis zu 25 Euro am Tag kosten. Ein Jumbo verschlingt täglich 100 bis 200 Kilo Grünzeug und braucht 100 Liter Wasser. „Unsere Elefanten sind halbwild, nachts sind sie im Wald, suchen sich ihre Nahrung, tags müssen wir zufüttern“, sagt Förster. Er hat eine Genehmigung der zuständigen Behörde in Bangkok, dass die Tiere im staatlichen Wald leben und fressen dürfen. Mit Appellen, Medienkampagnen und auch Patenschaften versuchen Umwelt- und Tierschutzorganisationen, aber auch Regierungsstellen und Kommunen, die Existenz der Elefanten in Reservaten, Parks und in der Wildnis zu sichern. Auch Phairat Chaiyakham (65), Chef des „Pattaya Elephant Village“ 800 Kilometer südlich von Chiang Mai, kämpft seit Jahrzehnten für den Schutz der Tiere. Phairat beklagt immer wieder, dass auch heute noch „zu viele Tiere in Asien und auch in Thailand als Bettelefanten durch Verkehrsgewühl in Metropolen stampfen müssen, damit Geschäftsleute und Passanten eine Futterspende geben“. Diese Tiere sind oft unterernährt und sehr anfällig für Krankheiten. In Thailand sei diese Bettelpraxis illegal, sagt Phairat, aber nicht ausgerottet. Auch in seinem Elefantendorf lernen in- und ausländische Gäste viel über die Tiere und sichern mit Ausritten eine erträgliche Existenz der Elefanten. „Das ist besser als Almosen und Betteln.“ Mehr als hundert Elefantenparks   Mehr als hundert Elefantenparks und -camps gibt es heute in dem südostasiatischen Land, allein im Großraum Pattaya knapp zehn und um Chiang Mai über 20. Vielerorts sehen Urlauber den Dickhäutern bei ein paar Zirkuseinlagen oder beim Fußballspielen zu, reiten ein Stündchen und erfahren wenig über Leben und Bedrohung der Tiere. Und mancher sogenannter Elefantenhüter, der oft selbst kaum genug zum Leben hat, gibt seinem Tier mehr Schläge als Hege und Pflege. Nicht selten stehen und liegen die Elefanten nachts dicht an dicht auf einem dünnen Streifen zwischen Straße und Reisfeld. Auch Bodo Jens Förster und sein Team sind wütend und traurig, wenn anderswo Tiere misshandelt werden, unterernährt sind oder Opfer von Verkehrsunfällen und Landminen werden. Zum Glück gibt es das „Asian Elephant Hospital“ von Soraida Salwala in Lampang im Norden des Landes. Die heute 53-jährige Thailänderin kümmert sich hingebungsvoll um Dickhäuter, seit sie als Achtjährige einen Elefanten qualvoll sterben sah, den ein Lastwagen angefahren hatte. Elefantenkind „Mosha“ ist einer der Dauerpatienten in der Klinik von Soraida. Vorsichtig tritt es mit dem rechten Vorderbein auf, das von einer Prothese gestützt wird, die Soraidas Team hergestellt hat: Ein Sack aus dickem Plastik, unten mit Holzspänen gefüllt, darauf ein weiches Kissen. „Mosha“ wird das Ganze über den Stumpf gezogen und mit Riemen um den Bauch geschnallt. Das damals sieben Monate alte Elefantenbaby war im Dschungel im Grenzgebiet zu Birma auf eine Mine getreten, die Explosion riss das Vorderbein halb. Auch durch Besuche in der Klinik erfahren Elefantenfans viel über die Tiere. Zahl drastisch gesunken Vor 100 Jahren lebten noch mehr als 100.000 Elefanten in Thailand. Seitdem ist ihre Zahl dramatisch zurückgegangen. „Heute sind es nur noch 5000“, berichtet die Asian Elephant Foundation of Thailand. Und die Zukunft der Dickhäuter sei leider ungewiss. Idealisten und Elefantenfans wie Bodo Jens Förster und Soraida Salwala versuchen zu helfen. Und Touristen können es auch. Im Schnitt 100 bis 120 Euro kostet ein Tag mit Dickhäutern – Unterricht, Mahlzeiten, Ausflüge in Bergdörfer und Elefanteninstitut sowie Übernachtung in einer Lodge im Grünen mit Blick auf Reisfelder und Bananenstauden inklusive.
Der Elefantenflüsterer - SPIEGEL ONLINE
zum Originalartikel (mit Fotos), Spiegel, 31.07.2009

von Thilo Thielke, Mae Sapok, Spiegel Online

Im Norden Thailands erfüllt sich ein Tierpfleger aus Thüringen seinen Traum: ein Leben unter Elefanten. Mittlerweile hat Bodo Förster eine ganze Herde beisammen und bildet Tierfans ganz in der Nähe der Touristenhochburg Chiang Mai zu Mahouts aus.

Ach, Elephas maximus! Was waren das noch für Zeiten, gerade einmal etwas mehr als einhundert Jahre ist es her, als Ernst von Hesse-Wartegg, der Reisende aus dem Abendland, beeindruckt notieren konnte, „die ausgedehnten Urwälder und Dschungel am Menamstrom und seinen Nebenflüssen“ wimmelten „von Elefanten, die in Herden bis zu mehreren Hunderten vorkommen“, „neben den größten, mit gewaltigen Stoßzähnen bewaffneten grauen Elefanten“ will der österreichische Reiseschriftsteller sogar „die berühmten weißen Elefanten“ erblickt habe.Er habe „kolossale Tiere“ erspäht, berichtete der Geheime Hofrat 1899, schwärmte von „wilden Dickhäutern“ und „königlichen Elefanten“ und freute sich, wie gut es ihnen im Vergleich zu den Brüdern und Schwestern in Ostafrika oder Indien gehe – „weil die Buddhisten nicht nur das Leben der Elefanten, sondern überhaupt aller Tiere heilig halten“. Rund 100.000 „kolossale Tiere“ sollen damals Siam bevölkert haben, ein Land, das gerne „Reich des weißen Elefanten genannt wurde“. Und heute? Bonjour Tristesse! Weniger als dreitausend der „gewaltigen Tiere“ sollen in Thailand noch in freier Wildbahn unterwegs sein und ungefähr genauso viele in Gefangenschaft: geknechtet, vermarktet, ausgebeutet. Eine geschundene Kreatur, die unter dem Gejohle aufgekratzter Touristen gegen Fußbälle treten und zu ohrenbetäubender Musik herumhampeln muss, schwitzende Fremdlinge durch die Gegend schleppt oder als Bettelelefant traurig übers Großstadtpflaster trottet. Kein Wunder, dass die Elefantenpopulation jedes Jahr um drei Prozent sinkt. In 14 Jahren, so die Prognose, gibt es in Thailand keine dieser stolzen Tiere mehr.

Elefantenführerschein als Marketinggag

„Das muss nicht sein“, sagt Bodo Förster, 47. Der Deutsche ist in Thailand so etwas wie der Elefantenflüsterer, er lebt seit 2001 im Land, in einem Ort namens Mae Sapok, irgendwo im Norden, eine Autostunde von Chiang Mai entfernt; „am Ende der Welt“, wie er sagt. Förster jedenfalls freut sich regelmäßig über Elefantennachwuchs, über „Kälber ohne Ende“. Sieben Babyelefanten hat er schon in seiner Herde, das achte kommt bald. Daneben kümmert er sich um neun ausgewachsene Tiere. „Verwirklichung eines Traums“ nennt er das, und Menschen wie sich nennt er „Elefantenleute“. Förster hat sich sein kleines Paradies geschaffen. Mitten im Wald, neben einem romantischen Wildbach, in den ein Wasserfall hinunterstürzt, errichtete er eines seiner beiden Elefantencamps. Hier leben die Mahouts, die Elefantenboys, und die Tiere können durch das Dickicht streifen. Und ein paar Kilometer entfernt steht Försters Lodge mit ihren drei Gästezimmern. Da bereitet Förster (Sandalen, blaue Schlabberhose, Pferdeschwanz und weißes T-Shirt) seine Touristen auf ihre heikle Mission vor. Die Fremden, die meisten aus Deutschland, sollen bei Bodo Förster nämlich den Umgang mit den Rüsseltieren lernen. Tagsüber dürfen sie die Elefanten reiten, füttern, streicheln, führen, was des Tierliebhabers Herz begehrt – bis die zähesten unter ihnen dann den „Elefantenführerschein“ mitnehmen dürfen. Der „Elefantenführerschein“ ist Försters Marketinggag. Man bekommt ihn, wenn man das 14-Tage-Spezialprogramm mitmacht, es kostet 1650 Euro pro Person.

Försters Konzept, Tourismus mit Tierschutz zu verbinden, funktioniert hervorragend. Offensichtlich fühlt sich nicht nur „das Viehzeug“ (Förster) wohl, auch die Gäste kommen wieder. 600 wissbegierige Gäste hat er bereits durch seine Camps geschleust. 20 Prozent seien Wiederholungstäter, sagt der Unternehmer („Elephant Special Tours“), Arbeitgeber von mittlerweile 30 Mitarbeitern. Für den Dezember hat sich sogar eine 85-jährige Dame angekündigt. „Elefantenleute sind eben verrückt“, sagt Förster und schließt sich selbstredend mit ein. Schließlich frönt er seiner Obsession seit mittlerweile bald 25 Jahren.

Emigration ins Land der Rüsseltiere

Alles begann 1985. Förster war damals 23, ein „angry young man“, wie er selbst sagt, aber unglücklicherweise lebte er in einem Land, das sich im Würgegriff älterer Herren befand, die Polyesterhemden trugen und graue Anzüge und überhaupt keinen Sinn für zornige junge Männer hatten. Zwischen Bodo und der DDR bahnte sich ein ernstzunehmender Konflikt an, und wenn sich nicht ein wohlmeinender Freund eingeschaltet hätte, wäre es wohl übel ausgegangen für den Elefantenflüsterer in spe – für Bodo Förster aus Saalfeld in Thüringen. Der Freund riet zu einer Lehre im Tierpark Friedrichsfelde in Ostberlin. Zur Emigration ins Land der Rüsseltiere. Abtauchen zwischen den grauen Riesen, Demut lernen, Gelassenheit üben. Für jemanden, der neben einem Vertreter aus der Familie der Elephantidae steht, bis zu drei Meter hoch und fünf Tonnen schwer, wird auch das Politbüro ganz klein – so das Kalkül. Und so kam es auch. „Bodo wurde zahm im Zoo“, sagt Förster. Und er wurde ein Elefantenfreak. Neun Jahre diente Bodo Förster in Friedrichsfelde den Elefanten. In der Zwischenzeit fiel die Mauer, der Genosse Erich Honecker türmte nach Chile, in den Supermärkten gab es Bananen satt. Und Förster machte sich auf den Trip nach Fernost, nach Thailand und Burma, Laos und Vietnam, das Handwerk der Mahouts zu erlernen, jener legendären Elefantenführer, die die Kunst beherrschen, die tonnenschweren Tiere nach Belieben zu lenken. Das wollte Förster auch. Und was sprach noch dagegen? Er konnte reisen, er war jetzt frei, es gab keine Grenzen, keine Hindernisse mehr auf dem Weg zur Erfüllung des großen Traums.

In Lampang, im Norden Thailands, ließ sich der Tierpfleger zum Mahout ausbilden. Und das just zu einer Zeit, da in Thailand eine jahrhundertealte Tradition zu Ende ging. Mit dem Verbot des Holzeinschlags Ende der achtziger Jahre, wurden auch die Arbeitselefanten überflüssig. Aus einer würdevollen Kreatur, die für schwere Arbeit benötigt und dementsprechend gepflegt wurde, wurde ein Zirkustier.

Es begann mit einer Kuh

Förster wurde Zeuge vom Niedergang des asiatischen Elefanten. Und da fasste er einen Entschluss. Er wollte in Thailand bleiben und seine eigene Elefantenlodge aufbauen. Er wollte den Menschen den Respekt vor dem Elefanten beibringen. Er wollte den Elefanten ein würdevolles Leben ermöglichen. Und natürlich wollte er auch von etwas leben. Mit einem thailändischen Kompagnon baute er seine eigene Firma auf, Startkapital 5000 Euro. Irgendwann kaufte er seinen ersten eigenen Elefanten, die mittlerweile 50-jährige Kuh Mae Gaeo, und mietete einige andere Tiere mitsamt ihren Mahouts dazu. Dann kamen die ersten Kälber. Aus einem Camp wurden zwei. Gerade hat sich Förster seinen zweiten eigenen Elefanten zugelegt. Er sitzt jetzt inmitten einer ganzen Herde am nahen Wasserfall. Die Tiere prusten und tröten und spritzen mit Wasser, dass es eine rechte Freude ist.

Förster sieht glücklich aus. Er sagt: „Das hier ist mein Traum.“

Im Camp zum Elefantenführerschein - SPIEGEL ONLINE & FOCUS ONLINE
zum Originalartikel (mit Fotos):

SPIEGEL Online, vom 04.10.2009 
FOCUS Online, vom 06.10.2009

Ein Fan von Elefanten ist Bianca Horna schon lange, jetzt hat die hessische Unternehmensberaterin bei einem Kurs in Thailand den Dickhäuter-Führerschein gemacht. In besonderen Camps lernen Touristen, auf Elefanten zu reiten und mit ihnen richtig umzugehen.

 

Chiang Mai – „Kwe, kwe!“ – „Zurück!“ Mit diesem Ruf und mit Fußsteuerung von ihrem Sitzkorb aus versucht Bianca Horna, den Dickhäuter von der Bambusstaude wegzulocken und zum Weitertrotten zu ermuntern. Die Frankfurter Unternehmensberaterin und die thailändische Elefantendame – sie scheinen sich gut zu verstehen. „Mae Geo 3“, 22 Jahre alt und etwa im 19. Monat schwanger, schiebt sich noch sachte eine Bambusstange samt Blättern ins Maul und wackelt mit den Ohren. Dann setzt sie sich nach einem lauten „Hu, hu!“ – „Vorwärts!“ wieder gemächlich in Bewegung.

Bianca Horna wohnt in Bad Homburg und arbeitet im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen bei einer Management-Beratung. Heute hat die Urlauberin den letzten Reit- und Ausbildungstag ihres 14-tägigen Kurses im Elefanten-Camp von Mae Sapok. Das Dorf liegt im Norden Thailands in den Bergen, eine Autostunde von Chiang Mai entfernt.
Der Mahout von „Mae Geo“ und Betreuer von Bianca ist Doe, 25. Einen solchen Führer hat jeder der acht Elefanten in den zwei Camps am Dschungelrand. Die Mahouts sind rund um die Uhr bei den Tieren und schlafen neben ihnen im Wald. Für die Ausbildung der von Bianca Horna ist Dieter Schramm aus Innsbruck verantwortlich. Der 47-Jährige leitet das kleinere der beiden Camps von Elephant Special Tours.
Um Chiang Mai gibt es viele Elefantencamps, meist für Tagestouristen, die ein paar Fotos machen, eine Stunde reiten und dann Adieu sagen. In Schramms Camp stehen Lernen und Erleben bis zum „Elefantenführerschein“ im Vordergrund. Es geht nicht nur um Elefanten, sondern auch die Balance der fragilen Natur sowie Traditionen, Anbau und Leben der Bergvölker wie Karen und Hmong. „Und auch die Elefanten lernen, vor allem „Mae Geo 3“, sagt Horna. „Am ersten Tag musste ich mich meinem Tier mit dem Mahout sehr langsam nähern, viel reden, damit die Elefanten meinen Geruch und meine Stimme kennenlernen.“

Dicke Haut, aber empfindliche Ohren und Augen

Der Thüringer Bodo Förster, 46, und der Thailänder Mahn Tsetung haben das Unternehmen aufgebaut, sind auch die Inhaber. Förster war lange Zeit Elefantenpfleger im Tierpark Friedrichsfelde in Ost-Berlin. Wie Förster ist auch die Touristin aus Hessen schon sehr lange eingefleischte Fans der massigen Tiere; bei Bianca Horna sind sie aus Porzellan und Stoff in der Homburger Wohnung. Doch nach einem ersten Elefantenritt 2004 im Süden Thailands und dem Kursus 2009 zählt sie inzwischen zu den Experten unter Touristen.
Horna steigt nun ohne menschliche Hilfe über Schädel und Nacken auf den Elefanten. Die schwere Dame beugt sich und gibt so gekonnt Hilfestellung. Der Ritt führt abwärts durch Schlamm und über große Kiesel in einen kleinen Fluss. Die Deutsche reitet jetzt ohne Korb, sitzt auf dem Nacken von „Mae Geo“. Das Stöckchen mit stumpfen Haken zum Antreiben setzt sie möglichst behutsam ein. Die Tiere haben eine dicke Haut und Schädeldecke, aber Ohren und Augenpartie sind sehr empfindlich.
„Mae Geo“ liegt nun im flachen Flüsschen, bekommt noch ein paar Eimer voller Wasser über ihren Körper geschüttet. „Nur ein Mal bin ich richtig nass geworden. Da wollte ich im Fluss dem Tier beim Absteigen nicht auf den Bauch treten“, erzählt die Touristin. Ihr Mahout klärte sie dann auch, dass auch schwangere Elefantendamen sehr robust sind.
„Von Frankfurt fliege ich gern in ferne Länder. Nach Mallorca kann ich immer noch, wenn ich älter und nicht mehr so fit bin“, sagt Horna. „In diesen zwei Wochen habe ich mir einen Traum erfüllt.“ Sie ist gerührt, als ihr Schramm die Kursurkunde überreicht. Die Mahouts klatschen, und Doe ist stolz auf seine Schülerin.

von Bernd Kubisch, dpa

2008

Auf Elefanten durch Thailand - FÜR SIE
zum Originalartikel Seit Thailands Elefanten als Arbeitstiere kaum noch gebraucht werden, ist ihre Population dramatisch geschrumpft. Ein Deutscher versucht nun, die grauen Riesen zu retten – mit einem Trekking-Projekt Umzingelt von Beinen, dick wie Baumstämme, sitzen wir eng aneinander gedrängt auf dem Boden. Ohren, groß wie Handtücher, fächern uns Wind zu – eine Wohltat in der Hitze. Sand rieselt aus den tiefen Falten der Elefantenhaut auf uns herab, Rüssel schlenkern hin und her, schnuppern mit ihren rosa Spitzen an unseren Ohren und betasten unsere Dekolletés. Kein Deo, das ist die Regel hier, Elefanten mögen das nicht. Sie ist ein fremdes Kennenlern-Ritual, die Vertrauensprobe am ersten Tag im Elefantencamp. Und eine Mutprobe, denn mulmig wird mir schon, als ein Dickhäuterfuß direkt neben meinem aufstampft. Nicht nur er hat Dimensionen, die mir neu sind: Mae Kham Noi, meine Elefantenkuh, wiegt zweieinhalb Tonnen, ist 18 Jahre alt und aus der Form geraten, weil seit einem Jahr trächtig. Unter Wimpern wie Schrubberborsten guckt sie mich aus treuen Augen an. Bodo Förster hat sie für mich ausgesucht. Er ist der Chef des Camps in Mae Sapok, rund eine Autostunde entfernt von Chiang Mai, größte Stadt im Norden Thailands. Ich soll mich mit Mae vertraut machen, sagt er, ihr etwas in das riesige Ohr flüstern – nur was? Tilli, Praktikantin im Camp und erfahrener als ich, sagt: „Ich hab mit meiner über Autos geredet.“ Hauptsache, Mae gewöhnt sich an meine Stimme. Und an mich. Denn schon das Aufsteigen würde schmerzhaft für mich enden, wenn sie nur mit dem Kopf wackelte. Tut sie aber nicht, sie geht auf die Knie und senkt ihr Haupt, sodass ich mit einem Bocksprung auf ihrer Stirn lande. Dann hebt sie den Kopf, und Bodo Förster schiebt meinen Po in Position. Bodo Förster, 48, aus Thüringen hat das Camp vor zehn Jahren gegründet. Er ist ein wuchtiger Mann mit langem Zopf und durchdringender Stimme. „IHR müsst die Kommandos geben! IHR seid sechs Tage unterwegs mit den Elefanten. Mann, wir sind doch nicht im Karnickelzuchtverein!“ Nach der Ansage geht es los, auf einen 150 Kilometer langen Weg durch Dschungel und Nebelwald um den Doi Inthanon, den mit 2565 Metern höchsten Berg Thailands. Aus acht Elefanten besteht unsere Karawane, aus Bodo Förster, den 14 Mahouts, so heißen die Elefantenführer, und außer mir noch fünf Reisenden. Unterwegs auf grauen Riesen Die grauen Riesen wuchten sich langsam in Gang, es schaukelt wie auf einem Boot bei Seegang, in einem gleich bleibenden, wogenden Rhythmus. Ich rutsche hin und her auf Mae Kham Nois borstiger Haut, habe den Trick aber bald heraus, schaukle nur noch in den Hüften mit, sitze ansonsten gemütlich auf Maes breitem Nacken. Gelegentlich wischt mir eine Dschungelpflanze ins Gesicht und weckt mich aus meiner eingeschaukelten Trägheit. Ein Ruck, Mae Kham Noi steht. Sie hat leckeres Grünzeug entdeckt, stopft es sich in dicken Blätterbündeln ins Maul, kaut seelenruhig. „Kwä!“, zurück!, rufe ich. „Kwäääää! Kwäääää!“ Null Reaktion, als habe sie meine Stimme noch nie gehört. Mit unserer Verständigung klappt es noch nicht, bleiben mir nur meine Füße, ein Stock und ein Haken, mit dem ich ihr leicht an den Ohren ziehen kann. Da ist die Elefantenhaut empfindlicher als an den Seiten, wo meine Füße vergebens versuchen zu drücken. Sie bleibt stur, und ich weiß, das kann dauern, denn Elefanten sind Dauerfresser. Ihr Riesenkörper braucht am Tag rund 200 Kilo Blätterzeug. Und dazu etwa 100 Liter Wasser. Irgendwann ist sie dann doch gnädig, stampft wieder los, schlendert zentimetergenau auf schmalem Pfad einen Abhang aus Geröll entlang und kaut währenddessen weiter an einem mitgeschleiften Ast. Es ist Nachmittag, als wir an der Raststelle ankommen. „Cheló!“, Kopf runter! Mae geht in die Knie, ich rutsche über ihren Rüssel zu Boden. Die Mahouts laden das Gepäck ab, dann dürfen die Tiere in den Wald, weitermampfen. Wir stellen die Zelte auf, dann gibt es auch für uns Essen. Als es dunkel ist, sitzen wir ums Lagerfeuer und trinken „Happy Water“, thailändischen Reisschnaps. Wir sind eine gemischte Truppe, aber eines eint uns: dass wir Elefanten nicht nur beobachten, sondern kennenlernen wollen. Michelle, eine meiner Mitreisenden, ist so fasziniert, dass sie zum zweiten Mal hier ist – obwohl sie gerade ihren Job verloren hat. Uschi träumt seit ihrer Kindheit von den grauen Riesen. Jetzt ist sie 56, „und es wird Zeit, Träume zu realisieren“. Ihr Freund Günther musste mit und sitzt tapfer lächelnd im schwankenden Sitzkorb. Geduscht wird aus dem Rüssel Bodo Förster wurde zu DDR-Zeiten als Pfleger in einem Ostberliner Zoo zum Elefantennarr. Als die Mauer fiel, reiste er nach Thailand, um bei den Mahouts zu lernen. Etwa zur gleichen Zeit erließ Thailands Regierung ein Holzfällverbot, weil der Waldbestand dramatisch zurückgegangen war. Und mit ihm die Elefantenpopulation. Vor hundert Jahren lebten noch rund 100 000 Dickhäuter in Thailand, heute sind es keine 5000, davon nur knapp 2000 in freier Wildbahn. Bodo Förster sieht sein Camp im Norden Thailands als Beitrag zum Tierschutz. „Wer weiß, ob meine Enkel noch Elefanten in der Natur erleben“, sagt er. Zumindest die domestizierten Tiere der Holzfäller standen früher unter einem gewissen Schutz vor Jägern. „Nun sind Touristen die einzige Rettung für asiatische Elefanten“, sagt Bodo Förster. Bei ihm im Camp hat es schon Nachwuchs gegeben, ein Baby ist auf unserer Tour dabei – die Karawane stockt, wenn es bei Mama Milch saugen will. Glück, wer dann nicht mit einer Riesenspinne auf Augenhöhe verharren muss. Das hier ist ein Abenteuer. Aufgestanden wird im Morgengrauen, Aufbruch ist gegen sieben Uhr, dann sind wir rund zehn Stunden unterwegs. Wir kommen an Teefeldern vorbei, die Bauern rund um den Doi Inthanon anlegten. In höheren Lagen gibt es nicht nur Regen-, sondern auch Kiefernwald. Geduscht wird mehrmals täglich – direkt aus dem Rüssel, inklusive Staub. Gebadet wird in Flüssen. Noch nachts im Schlafsack schwankt der Boden wie nach einem Segeltörn. Gegen Ende der Tour muss ich mich nur noch an Maes Ohren festhalten, wenn dornige Äste mir entgegenschwingen. Ab und an ein Quietschen, das kommt vom Elefantenbaby, gelegentlich ein sattes Bollern wie von einem Porsche beim Anlassen, dann pupst einer der Elefanten. Und manchmal ertönt ein vibrierendes Brummen aus dem Leib von Mae Kham Noi, das nur ich hören kann. Und fühlen. Was genau es bedeutet, weiß ich nicht, nur dass mir diese Geräusche nach sechs Tagen unter Dickhäutern zu Hause sicher fehlen werden.
"Das Abenteuer meines Lebens" - LEA

2007

"HÜ" UND "HOTT" - NUR ANDERS - Kölner Stadt-Anzeiger

von Anika Fiebich, 06.12.2007 Ein Führerschein für Elefanten? Kein Scherz – zwei Leverkusenerinnen haben ihn in Thailand erworben. „Es ist faszinierend, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben. Das ist ganz anders, als sie im Zoo oder im Zirkus zu sehen!“ Waltraud Moll und Doris Hause-Deilmann haben in Thailand den „Elefantenführerschein“ erworben. Mit leuchtenden Augen berichten sie davon. Am Anfang hatte die 68-jährige Waltraud Moll Angst vor den Dickhäutern. Als es dann jedoch bei ihrem ersten Ritt durch den Dschungel einen steilen Fluss hinunterging, entschied sie sich, dem Tier zu vertrauen – und verlor ihre Angst. Hause-Deilmann ging es ähnlich: „Es flößt Achtung und Respekt ein, neben einem Elefanten zu stehen. Später wandelt sich die Ehrfurcht in Freundschaft.“ Für die gleichaltrigen Schulfreundinnen war es die erste hautnahe Begegnung mit den Dickhäutern. Elefantenliebhaberinnen waren sie schon als Kinder. Dafür hatte das Dschungel-Buch gesorgt. Immer weniger Tiere In dem thailändischen Camp leben fünf Elefantenkühe und zwei Elefantenkinder. „Bestens betreut von acht einheimischen Elefantenführern, den Mahouts, zwei Praktikanten und unserem Elefantenführer Bodo Förster“, beteuert Moll. Förster ist ein 45-jährige Deutscher, der diese besondere „Fahrschule“ vor sechs Jahren gegründet hat. Er arbeitete als Elefantenpfleger in verschiedenen Zoos in Europa. Als er 1990 in Thailand eine Ausbildung zum Elefantentrainer machte, kam ihm die Idee, selbst ein Camp zu gründen. „Mir liegen der Schutz und die Erhaltung der asiatischen Elefanten am Herzen“, sagt er. Die Zahl der Elefanten in Thailand verringere sich von Jahr zu Jahr. Nach seinen Angaben leben dort noch rund 3000 ausgebildete Arbeitselefanten und 1800 wilde Elefanten. Die beiden Freundinnen waren nicht die einzigen, die wissen wollten, wie sich Elefanten steuern lassen. Zwei weitere Frauen nahmen an dem Kursus teil. Gleich zu Beginn bekamen sie die „passenden“ Kühe zugeteilt. „Ich hatte die älteste Kuh, sagt Moll und lächelt „die Leitkuh Mae Moe.“ Vorsichtig Kontakt aufnehmen, das ist der erste Schritt zum Führerschein mit den Rüsseltieren. „Es war überwältigend“, sagt Hause-Deilmann. Alle Teilnehmer hätten eine halbe Stunde lang auf der Erde in Tuchfühlung mit den Dickhäutern gesessen. „Wir berührten ihre Rüssel und sprachen zu ihnen.“ Haarcremes und Parfums waren verboten – um die Tiere nicht zu irritieren. Vertrauen sollte aufgebaut werden. Ohne künstliche Duftstoffe. Der erste Dschungelritt stand bevor: Doch wie erklimmt man einen Elefantenrücken? Schwierig, schwierig – auch wenn es ganz leicht aussieht, denn es gibt ein Zauberwort. „Melodi!“, heißt es. Daraufhin beugt der Elefant den Kopf und schlingt seinen Rüssel nach innen. An der „Schleife am Bauch“ halten sich die Führerscheinanwärterinnen fest und springen dann mit gegrätschten Beinen über den Elefantenkopf auf dessen Rücken. „Das war ein Spaß!“ Waltraud Moll lacht. Aber anstrengend sei auch gewesen: „Noch 20 Minuten später fühlte ich meine Beine nicht mehr!“ Denn oben angekommen, mussten sie lernen, sich mit angewinkelten Beinen hinter den Ohren zu halten. Vier Stunden verbrachten die Teilnehmerinnen jeden zweiten Tag bei den Elefanten. Mittags gab es eine Pause für Mensch und Tier. Nach und nach lernten die Freundinnen die Kommandos: „Hui“ heißt „Gehen“; „Kwé“ bedeutet „Zurück“. Auch eine Art von Fremdsprache, wie „Hü“ und „Hott“ im Pferdelatein. Während der Abschlussprüfung mussten sie die Kommandos während eines knapp zweistündigem Dschungelritts ohne Hilfe anwenden. Anschließend badeten sie die Elefanten im Fluss. Auch das Auf- und Abschnallen des Sitzkorbs gehörte zu den Aufgaben. „Es ist wichtig, dass der Korb richtig auf dem Elefanten sitzt, damit das Tier merkt, wenn der Korb rutscht und dagegen wirken kann“, erklärt Hause-Deilmann. Höhepunkt der Prüfung war das Sammeln und Stapeln von Holzstämmen. „Seit die Elefanten nicht mehr zum Holzschichten eingesetzt werden, sind viele der Elefantenführer arbeitslos“, erklärt Moll. „Die Elefanten-Camps geben den Menschen wieder Lohn und Brot.“ Und wohin die Reise das nächste Mal geht, wissen die beiden auch schon: nach Südafrika.

Ein Elefant als Urlaubsbegleitung - VOX Tours

Den normalen Führerschein besitzen die meisten, aber wer hat schon einen Führerschein speziell für Elefanten vorzuweisen? Patricia Csurgay hat sich das als Ziel ihres Thailand-Urlaubs gesetzt und lernt in einem Elefantencamp

ihre Urlaubsbegleitung für die nächste Woche kennen: Elefantenkuh Mae Gäu. Mit ihr wird die Immobilienmaklerin in der nächsten Woche alles lernen, was man als Mahout, als Elefantenführer, können muss.

Ihr Lehrer ist der Berliner Tierpfleger Bodo Förster, der seit 13 Jahren in Thailand lebt und dieses Camp mit 9 Elefanten betreibt. Die Ausbildung zum Mahout dauert 7 Tage und kostet etwa 700,- EUR – Unterkunft und Verpflegung inklusive. Dafür erhält Patricia dann einen tiefen Einblick in die asiatische Kultur der Elefantenhaltung und lernt das Land und die Arbeit der Mahouts kennen.

Ziel der Ausbildung zum Mahout ist es, am Ende den Elefanten so steuern zu können, dass er Baustämme bewegt. Das hat unsere Reisende Patricia geschafft und nebenbei auch ihre Begeisterung für die Dickhäuter entdeckt.
Sendung vom Samstag, 03.03.2007, 17:30 Uhr!

2006

DER GROßE TRECK - MDR-Fernsehen
Ein Film von Dinah Münchow und Stephan Liskowsky So eine Karawane hat der Dschungel von Nordthailand noch nicht gesehen. Sieben Deutsche auf Dickhäutern, die sie bisher nur aus dem Zoo kannten. Eine Woche lang, 150 Kilometer sind sie auf Elefantenrücken unterwegs. Der Treck ist eine Premiere. Das erste Mal legen unerfahrene Deutsche eine solche Strecke auf Elefantenrücken zurück. Sie wollen das kleine Dorf Ba Na Klang erreichen, wo die Arbeitselefanten und ihre einheimischen Führer die Regenzeit verbringen. Der Dschungeltreck ist kein Schaukel-Vergnügen für fußfaule Touristen, hoch oben in einem Korb auf einem gemütlichen Urwaldriesen. Die Deutschen lernen, die Kolosse selbst zu lenken. Eine Woche teilen sie das ursprüngliche Leben der Mahouts. Möglich gemacht hat diesen Treck einer der wenigen europäischen Elefantenführer in den Bergen Nordthailands: Bodo Förster. Die Leidenschaft für Dickhäuter verschlug den Thüringer vor 16 Jahren vom Berliner Tierpark in den Norden Thailands. Hier hat der gelernte Tierpfleger unter einheimischen Elefantenmännern tief im Dschungel gelebt. Nur so konnte er das Vertrauen der Mahouts gewinnen und eine solche Tour organisieren.

2005

Elefanten-Führerschein in Thailand - Mens Health, 11/2005

zum Originalartikel, Mens Health

Ein Führerschein für Elefanten im Dschungel Thailands: Marco Krahl hat die Herausforderung angenommen

Unser erstes Date. Und ich gehe gleich auf Tuchfühlung. Nach kurzer Zeit drücke ich mein Gesicht in ihre Haut, runzelig wie die einer Hundertjährigen. Nein, eine Schönheit ist Kommung nicht: aschfahler Teint, Härchen am Kinn, riesige Ohrläppchen. „Sprich mit ihr“, ruft Bodo, der neben drei weiteren Arbeitselefanten steht. „Sie muss dich kennen lernen.“ Bodo ist die Anstandsdame meines Rendezvous, hier im Dschungel Thailands. Seit Jahren zeigt er Touristen den Umgang mit den Tieren, bildet sie zu Mahouts aus, verleiht ein Zertifikat: den Elefanten-Führerschein. „Wir machen hier nicht so ’nen Disney-Mist“, stellt er klar. Wer nur mal auf Dumbo eine Runde drehen will, ist bei ihm falsch. In seinem Camp zählt harte Arbeit, für Mensch und Tier. Kommung und ich müssen in den nächsten Tagen richtig ran. „Ich bin der Bodo aus dem Osten und gehe hier nicht mehr weg“ Ein Fahrlehrer mit Erfahrung. Bodo Förster ist ein Mann wie ein Elefant: riesig, bullig, dickköpfig. Keiner, der in die ehemalige DDR passte, und doch lebte er dort. Bis Ende der 80er-Jahre arbeitete er als Elefanten-Pfleger im Ostberliner Tierpark, vernarrt in seine Arbeit und in die Tiere. „Selbst meinen Kindern gab ich Elefanten-Kommandos,“ erzählt er. Dann fiel die Mauer. Erst zog’s ihn in den Westen, seinen ersten Ausflug machte er nach Hamburg, zu Hagenbecks Tierpark. Dann ging er in den Osten, nach Thailand. Er sprach kein Wort Englisch, geschweige denn Thai, aber das brachte ihn nicht von seinem Vorhaben ab: Er wollte mit Arbeitselefanten umgehen, und die Mahouts sollten es ihm beibringen. Ich bin der Bodo aus dem Osten und gehe hier nicht mehr weg, sagte er damals. Er weiß nicht, ob ihn jemand verstand, aber er durfte bleiben und lernen. Teil 2: Wie besteige ich einen Elefanten? – Marco Krahl macht es vor… Wie man ohne Seil und Haken ganze drei Tonnen Lebendgewicht erklimmt Jetzt lerne ich. Am nächsten Morgen starten wir, wie jeden Tag, in Mae Sapok. In diesem Mini-Dörfchen am Rande des Doi-Inthanon-Nationalparks steht das Gästehaus von Bodo und seiner Frau Lia. Mit dem Geländewagen geht es über eine sandige Schotterpiste, die sich bergauf schlängelt und im Nichts endet. Dann folgt ein Fußmarsch, dieses Mal bergab. Ein Trampelpfad führt über eine Baumstammbrücke, unter dem der Fluss Mae Wang gurgelt, dann sind wir im Camp, auf 1700 Meter Höhe. Von Elefanten keine Spur. Nur zwei Jungs, Silar und Porn, die beiden Mahouts, sitzen vor ihrer Hütte. „Das Viehzeug ist noch im Wald, wir müssen es holen“, sagt Bodo. Direkt am Camp gibt’s für die Tiere wenig Nahrung, also kommen sie abends tiefer in den Wald, zum Essen und Schlafen. Sehr tief in den Wald sogar. 40 Minuten schlagen wir uns durch das Gestrüpp bis zu der Stelle, an der die beiden Elefanten-Kühe und ihre Kälber festgemacht sind, mit schweren Ketten. Kommungs Begeisterung mich wiederzusehen hält sich in Grenzen. „Jetzt reitest du sie ins Camp“, sagt Bodo. Ich suche noch nach Steigeisen und Sattel, als er schon ein Kommando donnert. Daraufhin neigt das schwere Mädchen seinen Schädel, drückt den Rüssel zu Boden. „Und jetzt rauf da“, scheucht mich Bodo. Ein Bocksprung, und ich lande auf ihrem Rücken, der so kratzig ist wie die lederne Rückbank eines ausgedienten Taxis. Meine Lage ist auch nicht die bequemste: Ich klebe auf dem riesigen Ungetüm wie draufgespuckt. In dieser Haltung lässt sich nichts lenken. „Dreh dich um!“, brüllt Bodo. Ich sehe dorthin, wo seine Stimme herkommt. „Guck nicht mich an, guck sie an!“ Mühsam raffe ich mich auf, sortiere die Beine, mache eine 180-Grad-Wende und rutsche in den Nacken des Tieres. „Haltung einnehmen“, feldwebelt mein Fahrlehrer. Ich schiebe meine Knie über Kommungs Ohren, drücke die Unterschenkel dahinter, wie er es mir erklärt. Wie ein Mopedhelm klemme ich auf dem Dickschädel, zwei Meter über dem Boden. Und jetzt? Teil 3: Die erste Fahrstunde mit dem „Bulldozer“ quer durch den Dschungel Wie man mit 66 Kilogramm ganze 3 Tonnen lenken kann Meine erste Fahrstunde. Um so einen Bulldozer durch unwegsames Gelände zu manövrieren, muss man 2 Dinge beherrschen. Erstens: Gang einlegen, und zwar verbal. „Huuuhh“, rufe ich, so laut es geht. Dann trete ich das Gaspedal, das liegt bei Elefanten irgendwo hinter den Ohren. Also bohre ich meine Zehen in die dicke Haut. Nützt das nichts, helfe ich mit einem Bambusrohr nach. Es soll Mahouts geben, die diese Riesen mit ihrem kleinen Zeh dirigieren. Das schaffe ich nicht, aber wenigstens setzt sich Kommung Richtung Camp in Bewegung, beginnt den Dschungel zu planieren. „Das Viehzeug furzt täglich so viel Methangas, dass ein Auto damit 100 Kilometer weit fahren könnte“ Alle paar Meter hält sie an, um zu tanken, also zu fressen. Dann nietet sie Bambusbäume um und sucht sich die frischesten Triebe. Elefanten benötigen täglich 150 Kilo Nahrung – kein Wunder, bei 3 Tonnen Lebendgewicht. Hinter mir, Richtung Auspuff, knattert es. Abgase! „Das Viehzeug furzt täglich so viel Methangas, dass ein Auto damit 100 Kilometer weit fahren könnte“, sagt Bodo. Ab und zu muss ich Ästen ausweichen von Bäumen, die Kommung niederwalzt, während sie sich den Weg bahnt – gnadenlos, bergauf, bergab. Ein Blick nach unten, wo es meterweit abwärts geht, erinnert mich daran, dass dieses Modell keine Sicherheitsgurte hat. Also gilt’s, die Schenkel kräftig zusammenzudrücken. Und nicht die Kommandos zu vergessen, sonst kommt Kommung ins Bummeln. „Huuuuhhh“, brülle ich, bis meine Kehle rau ist wie Elefanten-Haut. Ein Fliegenschwarm bringt mich aus dem Takt. „Treib sie an!“, mahnt Bodo. „Wir wollen schließlich mal ankommen.“ Unmittelbar am Camp staut sich der Mae Wang, bevor er sich den Berg hinabstürzt. Das ist die Waschanlage für die Elefanten. Einmal pro Tag muss man die Tiere baden. Das ist die Aufgabe der Mahouts, also mein Job. Letzter Teil: Die Abschluss-Prüfung – ob Marco Krahl sie besteht? Neben der Elefanten-Waschanlage folgt für Marco Krahl die letzte Prüfung im Dschungel-Abenteuer Ich greife mir einen Schrubber und führe Kommung ins Wasser, auf Befehl geht sie in die Knie. Zum ersten Mal in meinem Leben verpasse ich einem Elefanten eine Abreibung. „Nicht so zimperlich“, ruft Bodo. Ich schrubbe vorn und hinten, dann legt sie sich auf die Seite, und ich krabbele auf ihren Bauch. Es fühlt sich an, als würde ich auf einem Wasserbett Walzer tanzen. Kommung scheint es zu genießen, dreht sich noch ein wenig, bis ich das Gleichgewicht verliere und neben ihr im Wasser lande. An Land geht die Lackpflege weiter. Das Bad war wichtig, um ihre Haut danach genau unter die Lupe nehmen zu können, denn Verletzungen heilen nur schwer. Deshalb suche ich nach Rissen und Eiterbeulen, kontrolliere die Ohren, wo vielleicht Parasiten nisten, und stochere im Dung, auf der Suche nach Würmern. Arbeitselefanten müssen fit sein, sie sind ja nicht zum Spaß hier. Vor rund 100 Jahren gab’s in Thailand noch etwa 100 000 Arbeitselefanten, die idealen Waldarbeiter. Sie rodeten Bäume, transportierten und stapelten sie, bis der König 1989 das Abholzen zu wirtschaftlichen Zwecken untersagte. Einige Tiere wechselten in den Tourismus, aber die meisten wurden arbeitslos. In Thailand leben heute nur noch zirka 3000 ausgebildete Arbeitselefanten. „Damit stirbt auch das Wissen der Mahouts aus“, sagt Bodo und legt Kommung das Arbeitsgeschirr um. „Ich hoffe, diese Kultur durch meine Arbeit ein wenig bewahren zu können.“ Endlich die Fahrprüfung Ich hocke wieder obendrauf. Am anderen Ende des Geschirrs ist bereits ein Baumstamm befestigt. Auf mein Kommando setzt sich Kommung in Marsch, zieht den Stamm einen kleinen Hügel hinauf. Bis zu anderthalb Tonnen können Elefanten ziehen, allein mit dem Rüssel heben sie 200 Kilogramm. Ich treibe sie lautstark an, bis wir unser Ziel erreichen. Bodo strahlt: „Hätten wir noch ein paar Wochen, würde ich einen erstklassigen Mahout aus dir machen.“ Ich bin mir da nicht so sicher, doch ich glaube: Den Schein habe ich in der Tasche.

Haben Sie den Elefantenführerschein? - URLAUB PERFEKT – Das Magazin

erschienen am 18.09.2005

Haben Sie den Elefantenführerschein?

Aussteiger Bodo Förster (42) hat 2001 das Reiseunternehmen Elephant Special Tours im Nordwesten Thailands gegründet. Der Tierpfleger wohnt im Sommer in Berlin, im Winter leitet er mit seiner Frau Lia in einem kleinen Dorf 60 Kilometer von Chiang Mai ein Elefantencamp. Hier können Urlauber den Elefantenführerschein (weitere Info und Buchung: www.elephant-tours.de) machen.

Urlaub Perfekt hat nachgefragt, was Sie bei diesem Abenteuer erwartet.

Urlaub Perfekt: Warum führen Sie in Thailand ein Elefantencamp?
Bodo Förster: Ich wollte den Thailand-Touristen etwas Spezielles anbieten und Beruf und Hobby miteinander verbinden. Ich dachte, wenn ich auf dem Kopf eines Elefanten sitzen kann wie die Mahouts, warum sollen das nicht auch Touristen können?

UP: Was sind Mahouts?
Förster: Mahouts heißen die Elefantenführer beim Bergvolk der Karen.

UP: Wozu haben die Karen die Elefanten genutzt?
Förster: Meine Elefanten sind ausgebildete Arbeitselefanten, die bis zum Verbot des Holzschlages durch die thailändische Regierung 1989 Stämme transportiert haben.

UP: Werden die Elefanten heute noch zum Arbeiten eingesetzt?
Förster: Ja, allerdings werden sie heute fast nur noch im Tourismus eingesetzt,manchmal aber auch als Lastentiere. Ich möchte mit meinem Elefantencamp dieVerbindung zwischen den Kulturen schaffen. Ich möchte die Elefantenkultur, dieimmer mehr verloren geht, den Touristen vermitteln.

UP: Wie haben Sie die Arbeit mit Elefanten gelernt?
Förster: Ich bin vor 15 Jahren das erste Mal nach Asien gekommen und habe das Handwerk von der Pike auf gelernt. Die Mahouts haben gesagt: Beweg diesen Elefanten.
Und weil ich ihn bewegen konnte, durfte ich bei ihnen lernen. Ich weiß selbst nicht, wie das funktioniert hat, aber es hat funktioniert. Die Mahouts akzeptieren mich, weil ich etwas davon verstehe und weil ich sie respektiere.

UP: Wie viele Arbeitselefanten gibt es heute noch?
Förster: Bei uns im Dorf Mae Sopok etwa 60, in Thailand etwa 3000.

UP: Sind die Tiere gefährdet?
Förster: Sie sind akut gefährdet. Noch 1995 gab es 12.000 Arbeitelefanten. Irgendwann wird es keine mehr geben.

UP: Wie viele Camps gibt es in Thailand?
Förster: Es gibt ein großes Camp in Puhket an der Westküste und vier oder fünf große Camps im Norden. Dort stehen teilweise über 100 Elefanten. Dazu kommen mehrere kleine Camps wie meins, in dem rund zehn Tiere leben. Insgesamt gibt es etwa 20 Elefantencamps in Thailand.

UP: Was spricht für einen Urlaub in Ihrem Camp?
Förster:Sie arbeiten in ganz kleinen Gruppen von maximal sechs Leute mit den Tieren. Sie lernen das Land kennen, wie man es eigentlich sehen sollte. Denn Sie machen nicht
nur den Elefantenführerschein, sondern unternehmen Ausflüge zu Orten, die sonst kein Tourist besucht. Dazu gehören einsame Bergdörfer, der Doi-Inthanon-Nationalpark
und abgeschiedene Tempel. Und Sie erleben vielleicht eines der letzten Abenteuer, die es noch auf der Welt gibt.

UP: Wer bucht so ein Abenteuer?
Förster: 70 Prozent meiner Kunden sind Frauen. Das ist der Pferdeeffekt.

UP: Was sagt ihre Frau zu ihrer Elefantenliebe?
Förster: Die findet das Klasse.

UP: Wie läuft eine Reise in ihr Camp ab?
Förster: Die Reise dauert 14 Tage. Davon sind die Gäste sieben Tage im Camp. Dort lernen sie von der Pike an, den Elefanten zu reiten. Fünf Tage stehen Ausflüge
auf dem Programm. Zwei Tage dauert die An- und Abreise. Die Gäste reiten zwei bis drei Stunden am Tag, je nachdem wie fit sie sind. Sie gehen auch in den Dschungel und holen die Elefanten. Meine Elefanten leben nämlich halbwild. Sie werden über Nacht in den Dschungel gebracht und haben dort Zeit zu fressen.

UP: Was beeindruckt die Gäste am meisten?
Förster: Die Gäste müssen sich bei der ersten Begegnung unter Elefanten setzen.Das ist ein unglaubliches Gefühl. Sie sind mitten in den Leibern von sechs bis acht Elefanten, sitzen direkt unter dem Rüssel, unter dem Kopf. Diese unglaubliche Nähe überwältigt die meisten.

UP: Kostet das nicht große Überwindung?
Förster: Es ist mein Ziel, den Gästen dieses Erlebnis zu ermöglichen. Ob sie das Gefühl empfinden, kann ich nicht beeinflussen. In der Regel spüren die Gäste nach der ersten
Woche, dass der Elefant sie annimmt. Auch meine Elefanten brauchen eine Woche, um sich auf die Menschen einzustellen. Ich habe sogar schon Gäste gehabt, die nach einer Woche den Elefanten fast genauso gelenkt haben wie ich.

UP: Wie läuft die Führerscheinprüfung weiter ab?
Förster: In der ersten Woche müssen die Gäste mit dem Elefanten reden, ihn riechen,berühren und mit ihm baden. Am ersten Tag sitzt man auch schon auf dem Rücken.
Zwar noch im Korb, aber so bekommt man ein Gefühl für die rhythmischen Bewegungen. Nach vier Tagen können sie die wichtigsten Kommandos. In der zweiten Woche gehen
sie mit dem Elefanten senkrecht die Wände hoch – das ist irre.

UP: Kann beim Ritt auf dem Elefanten nichts passieren?
Förster Die eine Seite ist der Traum, den Elefanten hautnah zu erleben, die andere ist die Sicherheit. Es kann immer mal etwas passieren, wenn man mit Tieren arbeitet. Jeder kennt das von Pferden, die durchgehen können. Gott sei Dank ist noch nie etwas bei mir im Camp vorgefallen. Ich trainiere die Tiere auf Gerüche von Weißen. Bei mir gibt es zum Beispiel kein Deo. Wenn ich merke, dass meine Elefanten auf Deo reagieren, dann darf kein Deo mehr benutzt werden. Außerdem ist immer ein Mahout dabei, der genau aufpasst.

UP: Kann sich jeder den Traum vom Ritt auf einem Elefanten erfüllen?
Förster: Es kann fast jeder kommen. Viele träumen davon, einen Elefanten zu reiten, aber manche können es dann doch nicht. Das muss man akzeptieren. Das ist einfach so bei Tieren. Einige Besucher kommen einfach an ihre physischen und psychischen Grenzen, Grenzen, die sie vorher gar nicht kannten.

UP: Woran liegt das?
Förster: Uns fällt es schwer, unsere Welt hinter uns zu lassen und in die Welt der Elefanten einzutauchen.

UP: Wie unterscheiden sich die Welten?
Förster: Wir kennen Elefanten alle aus dem Zoo. Man steht davor und sagt, ein großes Tier – aber da ist immer der Graben dazwischen. Stehst du auf einmal direkt vor dem Vieh, fasst es an, es fasst dich an, dann holst du Luft und kannst kaum schlucken. Dann bekommst du einen Adrenalinstoß. Das pulsiert in dir drin, als wenn du auf der Autobahn bei 180 aus dem Sekundenschlaf aufwachst.

UP: Was lernt man für sein Leben?
Förster: Vor so einem Vieh ist der Mensch ganz klein. Man lernt Demut und Geduld. Außerdem fragen viele, wenn sie wieder zu Hause sind: Was können wir tun? Wie geht es eurer Fußballmannschaft? Habt ihr die Lehrerin bekommen?

UP: Sie unterstützen Sozialprojekte vor Ort?
Förster: Wir sind ein profitgeführtes Unternehmen, das ist keine Frage. In meinem Unternehmen arbeiten 15 Leute. Damit übernehme ich die Verantwortung für über zehn Familien, die ich finanzieren muss. Aber nebenbei engagieren wir uns für das Dorf, indem wir leben. Wir haben zum Beispiel eine Schule gebaut, eine Fußballmannschaft gegründet und unterstützen das Krankenhaus.

UP: Welche Projekte planen sie in der Zukunft?
Förster: Das größte Projekt ist der Elefantentreck. Das Camp hat wegen der Regenzeit nur sieben Monate im Jahr geöffnet. Nun überlegen wir, wie können wir die Menschen
zwölf Monate beschäftigen? Deshalb wollen wir jetzt den Elefantentreck probieren. Der führt 200 Kilometer auf dem Rücken der Elefanten über den Doi Inthanon, den größten Berg Thailands. Außerdem wollen wir mit der Fußballmannschaft dieses Jahr aufsteigen, nachdem wir im vergangenen Jahr erstmals am regulären Spielbetrieb teilgenommen haben. Und wir überlegen, wie wir das Müllproblem in den Griff bekommen. Bisher wird hier noch nichts sortiert, sondern alles einfach verbrannt.

UP: Werden Sie ganz nach Thailand gehen?
Förster: Das wird wohl so kommen. Meine Familie lebt aber weiter ein halbes Jahr in Berlin. Es ist nämlich nicht nur unsere Arbeit, sondern wir sind dort zu Hause.Wir sind die einzigen Weißen im Umkreis von 50 Kilometern. Einmal im Monat muss ich Sozialarbeit im Dorf machen oder zahlen. Hier erinnert mich vieles an den Osten.Ich komme aus einer Kleinstadt in Thüringen, besser einem kleinen Dorf im Wald. Und jetzt lebe ich wieder im Wald. Das war mein Traum. Jetzt sind wir so erfolgreich, dass es nicht nur mein Traum ist. Jetzt habe ich eine Verantwortung den Menschen
gegenüber. Jetzt ergeben sich langfristige Perspektiven.

UP: Was gefällt Ihnen besonders in Thailand?
Förster: Die Gelassenheit. In Deutschland sind wir zu angestrengt und verkrampft.

UP: Was vermissen Sie in Thailand?
Förster: Ich vermisse manchmal die Klöße aus Thüringen.

 

Tischgespräch - Radio WDR5 Interview

Gisela Keuerleber mit Bodo Förster, Elefantenfachmann

Bodo Förster lebt ein Doppelleben: Im Sommer ist er in Berlin, im Winter arbeitet erin Thailand mit Arbeitselefanten und Touristen. Letztere will er in die Lage versetzen,auf die mächtigen Tiere zu steigen und mit ihnen zu reiten. Seit drei Jahren hat sein Projekt Abenteuer-Ferien Erfolg und trägt Früchte. Bis dahin war es eine lange

Durststrecke – aber die Liebe zu den Dickhäutern hat wohl auch Förster ein dickesFell wachsen lassen. Stur hielt er an seiner Idee fest, die Tradition im Norden Thailands mit zu bewahren, in dem er Arbeitselefanten einsetzt. Als die Regierung vor 15 Jahren den Holzeinschlag verboten hatte, gab es für die Mahouts, die Elefantenführer, bald keine Arbeit mehr. Auch die Existenz des kleinen Bergvolkes der Karen war bedroht.Nun transportieren einige von ihnen statt Tropenholz Touristen durch unwegsames Gelände, manche Frauen arbeiten im kleinen Touristencamp und für die Kinder wurdeneine Schule und eine Krankenstation gebaut.

Bodo Förster ist seit Jahren ein profunder Elefantenkenner. Als Tierpfleger begann er im Ostberliner Tierpark die Dickhäuter zu lieben, reiste dann nach Laos, Vietnam und wurde schließlich in Thailand ansässig, um mit den Tieren zu arbeiten. Gisela Keuerleber fragt ihn im Tischgespräch nach seiner Elefanten-Liebe und seinem Doppelleben Berlin-Thailand.
Redaktion: Florian Quecke
Sendung vom 15.06.2005, 20:05 Uhr

2004

elefantenfieber - FRANKFURTER RUNDSCHAU

Der Berliner Bodo Förster ist der einzige Europäer unter den Mahouts, den Elefanten-Leuten , im thailändischen Dschungel. Touristen hilft er, die Tiere zu reiten – und zu verstehen.

Bodo Försters große Liebe ist keine Schönheit. Sie hat Haare auf dem Rücken, Hüften breit wie ein Opel Corsa und frisst wie ein Mähdrescher. Wegen ihr hat er Deutschland den Rücken gekehrt und ans Ende der Welt gezogen, nach Mae Sopok, wo die Straße nur noch eine Ader aus rotem Sand ist, die irgendwann im Dickicht versickert.
Wer hier lebt, erwartet vom Leben keine Überraschungen und von den Göttern keine Wunder.
Reisfelder umzingeln die 50 Häuser wie ein grünes Meer, Wasserbüffel kühlen sich im Schlamm, ein Fluss kippt sein Wasser in die Tiefe. Niemals würde man in Mae Sopok, Nodthailand, eine Fahrstunde von Chiang Mai entfernt, einen wie Bodo Förster vermuten, blonde Locken, rosa T-Shirt, 41 Jahre alt, aus Berlin, Ost.

Um seine große Liebe zu treffen, muss man zusammen mit Förster in ein Tal hinabsteigen, auf Baumstämmen über einen Fluss balancieren und in den Wald hineinstapfen, bis man sie sieht: Den Mund voller Bambus, ihre Ohren flattern hin und her wie zwei Segel im Wind. -Darf ich vorstellen, sagt Bodo Förster, die Dame heißt Mae Gaeo-.

Mae Gaeo nickt den Kopf und reibt die Stirn an Försters Arm. Der lehnt sich an sie, redet leise mit ihr. -Ich kann Elefanten lesen-.

Förster ist Elefantentrainer, Elefantenverrückter, neun Jahre war er Elefantenpfleger im Berliner Tierpark Friedrichsfelde, dutzend Male ist er in Laos, Kambodscha, Vietnam und Burma unterwegs gewesen, auf den Spuren der Elefanten. Alles in seinem Leben hat irgendwie mit Elefanten zu tun;kein Urlaub ohne Elefanten in fremden Zoos,Nationalparks oder freier Wildbahn, keine drei Sätze ohne das E-Wort. Er sagt: -Der Elefant ist mehr als die Summe seiner riesigen Teile-. Für Bodo Förster ist der Elefant ein Wunder der Schöpfung.

Und der Elefantenfreak tut alles dafür, um möglichst viele Menschen anzustecken: Seit vier Jahren betreibt er zusammen mit seiner Frau Lia in Mae Sopok ein Elefantencamp mit insgesamt neun Tieren, davon vier Kälber, einen Halbwüchsigen und zwei Hunden. Seine Frau interessiert sich eher für letzteres. Schon aus Prinzip.

Ein Jahr hat es gedauert, das Haus instand zu setzen und aus der Wildnis einen Garten zu machen; noch länger, um von den Dorfbewohnern akzeptiert zu werden.

Denn Bodo Förster ist der einzige Europäer weit und breit, vor allem der einzige Europäer, der auch noch die traditionellen Techniken der so genannten Mahouts beherrscht. Im Gegensatz zu vielen einheimischen Elefantenleuten und ihren Elefanten.

20 Lebensjahre benötigt ein Elefant, bis er die wichtigsten 30 Kommandos einwandfrei ausführen kann. Gelernt hat Förster die Kommandos und Techniken in den Ausbildungscamps der Mahouts, war monatelang in den Wäldern, wo sie zusammen mit ihren Elefanten die tonnenschweren Stämme von den Hängen in die Täler wuchten.

Einen kleinen Teil seines Könnens bringt er nun auch seinen Gästen bei: Dickhäuter baden, satteln, aufsteigen und nach wenigen Tagen Baumstämme rollen und stapeln.
Der Tourist in seiner neuen Rolle als Elefanten-Lenker lernt, wie er einen Dreitonner antreibt, ihm Eiterbeulen ausdrückt, ihn badet und schrubbt, lernt, dass Elefanten zickig sein können und Zuckerrohr lieben – und vor allem, dass Elefantenreiten kräftige Stimmen, durchtrainierte Beinmuskulation und eine Haut braucht, die noch dicker ist als die der Elefanten.
Und er lernt: Jedes Tier ist anders. -Elefanten können hysterisch sein, melancholisch, schlecht gelaunt, stur, faul
oder albern-, sagt Bodo Förster schmunzelnd.
-Elefanten sind Menschen manchmal sehr ähnlich-.
So denkt der Elefant ständig ans Essen, liebt Süßes, kann mit etwas Training mäßig Fußball spielen, kommt mit 14 in die Pubertät, macht eine Ausbildung und arbeitet, um dann mit 60 in den Ruhestand zu gehen.
Ein Kuscheltier ist er deswegen noch lange nicht, auch nicht, wenn er noch klein ist.

-Ihr Spiel kann für uns sehr schnell tödlich werden-, sagt Bodo Förster.
Unzählige blaue Flecken, Rippen- und Armbrüche hat ihm die Arbeit mit den Elefanten schon eingebracht.-Und letztlich ist immer der Mensch schuld, wenn was passiert-.

Weil die Tage kurz und die Nächte lang in Mae Sopok, zeigt Förster jeden Abend einen Film über Elefanten. Niemand entkommt, ohne sich ein umfangreiches Spezialwissen über die Dickhäuter angeeignet zu haben, angefangen von der Kommunikation per Infraschall bis hin zu Methoden künstlicher Befruchtung.
-Es hat noch niemand Mae Sopok verlassen, ohne dass ich ihn mit meiner Elefanten-Verrücktheit angesteckt hätte-.